Bücher kaufen in Einbeck …

… mit fachkundiger Beratung und in ganz besonderer Umgebung.
Herzlich willkommen im Einbecker Literatur Haus!

Mit Hilfe vieler fleißiger Hände und noch mehr kreativer Köpfe ist eine „Oase“ für Buch- und Literaturbegeisterte entstanden.
Wir würden uns sehr freuen, Sie als Besucher und Kunden im Einbecker Literatur Haus begrüßen zu können.

Buchhändlerin Gudrun Buschold und
Buchhändlerin Julia Malek

Wie alles begann …

… und wie wir unser Literatur Haus verstehen

Vor circa zwei Jahren schien der Buchhandel in Einbeck einzuschlafen. Eine Buchhandlung hatte geschlossen, Ersatz war noch nicht gefunden.

Da die untere Etage des Bürgermeisterwall 6 ungenutzt war, entstand die Idee hier eine neue „Oase“ für Buch- und Literaturbegeisterte einzurichten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten stellte sich bald heraus, dass Bausubstanz und Lage der renovierungsbedürftigen Gründerzeitvilla dazu angetan waren, offene, helle besucherfreundliche Räume zu schaffen.

So gelang es während der anstehenden Kernsanierung viele Elemente der alten Bausubstanz in das neue „Gesicht“ des Literatur Hauses zu integrieren. Originale Wandelemente, Teile des freigelegten Fachwerkes, stark sanierungsbedürftige Terrazoflächen, sowie der großzügig aufgearbeitete alte Fußboden ließen sich glücklicherweise erhalten. Natürlich tat auch Veränderung not. Aus vielen kleinen Räumen wurde ein einziger durch Wandelemente und eine neu eingezogene Säulenstatik unterbrochener Verkaufsraum gestaltet. In der Gestaltung der Regalwände, die größtenteils aus alten Backsteinen gemauert sind, gelang es den Charakter der Gründerzeitvilla aufzunehmen und innenarchitektonische durchkreuzende Brüche zu vermeiden. Die Möglichkeit der Umsetzung einer Kaminecke erweiterten die Möglichkeiten der Raumgestaltung erheblich. Des Weiteren glückte es, den Verkaufsraum für die wärmeren Monate in den anschließenden Garten zu erweitern, in dem eine großzügige Balkonanlage das Ensemble nach Osten hin öffnet. Mit all diesen Maßnahmen konnte so ein homogener Übergang zwischen alter und neuer Bausubstanz geschaffen werden, die die Sinne des Besuchers in allen Fassetten ansprechen sollen.

Neben der baulich gestalterischen Sorgfalt, die jedoch nur zugrunde liegende Basis für das inhaltliche Konzept sein konnte, galt es für dieses Projekt eine erfahrene, bibliophile Buchhändlerin zu finden, die der konzeptionellen Ausrichtung des Buchangebotes ihren ganz persönlichen Stempel aufzudrücken in der Lage sein würde. Dies gelang in wunderbarer Weise mit Frau Gudrun Buschold, die sich seit vielen Jahren tief in den Literaturbetrieb versenkt hat und als Ansprechpartnerin jederzeit zur Verfügung steht.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Unsere Öffnungszeiten

Montag10:00–13:00 Uhr
15:00–18:00 Uhr
Dienstag10:00–13:00 Uhr
15:00–18:00 Uhr
Mittwoch10:00–13:00 Uhr
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Donnerstag10:00–13:00 Uhr
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Freitag10:00–13:00 Uhr
15:00–18:00 Uhr
Samstag10:00–13:00 Uhr
Julia Maleks Buchtipp Nr. 27
vom 13.11.2017

„Kleine Stadt der großen Träume“ von Fredrik Backman

Die „kleine Stadt der großen Träume“, um die es in Fredrik Backmans neuestem Roman geht, heißt Björnstadt und befindet sich umgeben von Wäldern an einem abgeschiedenen Fleckchen im Norden Schwedens. Es gibt nur wenige Monate im Jahr, in denen Helligkeit in Björnstadt herrscht, so dass die Bewohner sich meist erst dann an den Sommer gewöhnt haben, wenn er schon wieder so gut wie zu Ende ist und die Dunkelheit der Herbst- und Wintermonate Einzug hält.
Björnstadt besteht aus einer großen Eishalle, einem Supermarkt und einer Fabrik. Die anderen Läden und Geschäfte werden nach und nach weniger, junge Bewohner ziehen in andere Städte, um nicht in der Kälte von Björnstadt leben zu müssen. Die Bewohner der Stadt sind zweigeteilt: zum einen gibt es die, die in der Senke wohnen und aus ärmeren Verhältnissen stammen und dann gibt es die, die Geld haben und es sich leisten können Einfamilienhäuser an schöneren Stellen an der Anhöhe zu besitzen.
Björnstadt lebt von und mit Eishockey und alle Hoffnungen liegen auf der Juniorenmannschaft, die im Halbfinale eines landesweiten Turniers steht. Ein Sieg der Junioren in diesem Turnier könnte dafür sorgen, dass Björnstadt wieder in ganz Schweden bekannt wird, Investoren ein Leistungszentrum in der Nähe errichten und ein neues Einkaufszentrum gebaut wird, das für Arbeitsplätze sorgt. Es geht also nicht nur um irgendein Spiel, sondern um die Zukunft eines ganzen Ortes.
Dementsprechend bestimmt Eishockey das Leben vieler Familien. Peter war Profispieler in Kanada und ist von seinem ehemaligen Trainer und Mentor samt Familie nach Björnstadt zurückgeholt worden, um dort Sportdirektor zu werden. Ehefrau und Anwältin Mira, Tochter Maya und Sohn Leo haben die Entscheidung mitgetragen und sich dem Leben in Björnstadt angepasst. Jungstar Kevin spielt seit seiner Kindheit Eishockey und trainiert Tag und Nacht, um den Sieg nach Björnstadt zu holen. Auch Amat, Spieler in der Jugendmannschaft, fühlt sich auf dem Eis wohler, als irgendwo anders. Und dann ist da noch Benji, bester Freund und Teamkollege von Kevin.
Ihr aller Leben wird sich in den Tagen des Turniers verändern, es wird zu schrecklichen Ereignissen kommen, die eine ganze Stadt aufwühlen und deren Bewohner an ihre Grenzen bringen wird…

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Eishockey bisher nicht sonderlich interessiert hat und es nicht gerade zu den Sportarten zählt, die ich mir freiwillig über einen längeren Zeitraum live oder im Fernsehen angesehen habe. Trotzdem hat mich dieser Roman von Anfang an gepackt und ich gestehe, dass auch eine gewisse Faszination des Sportes auf mich übergesprungen ist. Mich haben jedenfalls die Schilderungen der Spiele oder Trainingseinheiten nicht eine Minute gelangweilt, ganz im Gegenteil!
Fredrik Backman beschreibt den Ort Björnstadt so anschaulich, dass man gut nachvollziehen kann, wie es sich anfühlen muss, dort zu leben und in welcher Situation sich die einzelnen Figuren befinden. Der Roman ist locker und leicht geschrieben, man taucht in die Geschichte ein und befindet sich mitten in der Handlung und freut sich darauf, weiter zu lesen. Zwar ahnt und weiß man, dass etwas Unvorhergesehenes passieren wird, da von Anfang an Andeutungen gemacht werden, aber als es dann so weit ist, erlebt man ähnliches Entsetzen, wie es den Charakteren im Buch ergeht. In einem Ort, in dem es um Alles oder Nichts geht, passiert eine Katastrophe, die man an anderen Orten und zu anderen Zeiten womöglich ganz anders behandeln würde. Man befindet sich in einer Zwickmühle.
Spreche ich in Rätseln? Das tut mir leid, aber ich möchte nicht zu viel verraten und kann Ihnen deshalb nur nahelegen, das Buch selbst zu lesen.
Es ist ein toller Roman, berührend und bewegend geschrieben. Zwischendurch werden Sie als Leser vielleicht wütend und fassungslos auf das Geschehen reagieren, aber ich finde, dass auch genau das ein gutes Buch ausmacht: Es lässt den Leser nicht unbeeindruckt, sondern trifft ihn und wirft Fragen auf und sorgt dafür, dass er sich Gedanken macht.

Sie brauchen keine Ahnung von Eishockey zu haben, wagen Sie sich trotzdem an „Die kleine Stadt der großen Träume“.
Ich wünsche Ihnen damit eine gute Unterhaltung und freue mich, Sie im LiteraturHaus begrüßen zu dürfen!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Fischer Verlag

Vergangene Buchtipps

Julia Maleks Buchtipp Nr. 1 vom 14.05.2017

„Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara

Es gibt eine Vielzahl von Büchern und ebenso eine Vielzahl von Gefühlen und Reaktionen, die sie auslösen können.
Da sind beispielsweise die Bücher, zu denen man keinen Zugang findet oder Bücher, nach deren Lektüre man sich beschwingt und gut unterhalten fühlt oder aber auch Bücher, die man erschüttert und berührt schließt und erst mal eine Weile braucht, um wieder in die Realität zurück zu kehren.

Um ein Buch der letzteren Kategorie handelt es sich bei „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara und ich frage mich gerade tatsächlich, wie man dieses Werk von gut 900 Seiten beschreiben soll, ohne zu viel zu verraten, aber dennoch genügend zu erzählen, um einen Einblick in die Geschichte zu ermöglichen.
Natürlich könnte ich es mir jetzt auch leicht machen und ein anderes Buch aussuchen, aber genau das möchte ich nicht, denn dieses Buch ist es wert, gelesen zu werden!

Malcolm, JB, Willem und Jude sind vier junge Männer verschiedener Herkunft und Hautfarben und mit unterschiedlichen Lebensläufen die sich an der Uni begegnen und eine Freundschaft für’s Leben schließen.
Der eine möchte Architekt werden, der andere Künstler, der dritte träumt von einer Karriere als Schauspieler, während der vierte Jura studiert.
Im Mittelpunkt des Romans steht Jude, erfolgreicher und knallharter Anwalt, der privat eine zerrissene Persönlichkeit ist – äußerst zerbrechlich. Er versucht möglichst unauffällig und angepasst zu leben und gibt nichts von seiner Kindheit oder Jugend preis. Eine Verletzung an Bein und Rücken beeinträchtigt ihn und wird ihn sein Leben lang begleiten und an genau diese Jahre erinnern, über die er schweigt.

Man begleitet diese vier Freunde durch ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Beziehungen, feiert mit ihnen mehrere runde Geburtstage und erfährt nach und nach mehr über sie, insbesondere über Jude – mehr als die Beteiligten im Buch jeweils wissen.
Die Handlung wird teilweise aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, was spannend ist. Natürlich geht es nicht nur um Jude, auch über die anderen Personen erfährt man viel und wird in ihr jeweiliges Umfeld eingeführt.

Auf „Ein wenig Leben“ bin ich durch die Empfehlung der Autorin Katharina Hartwell aufmerksam geworden, deren Romane ich selbst sehr gerne gelesen habe.
„Ein wenig Leben“ hat mich unheimlich berührt! Während der Lektüre des Buches beginnt man als Leser unweigerlich Vermutungen anzustellen und nach und nach zu erahnen, was Jude zugestoßen sein könnte. Gleichzeitig möchte man gerne eingreifen, aber bleibt auf einer Ebene mit seinen Freunden zurück.

Ja, es ist ein bewegendes Buch und ja, man wird davon berührt und längere Zeit nicht los gelassen. Nein, die Geschichte ist tatsächlich nicht „ohne“, aber JA, es lohnt sich, das Buch zu lesen!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Hanser Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 2 vom 19.05.2017

Heute für alle Leserinnen und Leser ab 8 Jahren:

„Drachenalarm auf meinem Teller“ von Tom Nicoll ist der erste Band einer neuen Kinderbuchreihe, die mich schon nach den ersten Seiten absolut begeistert hat!

Eric findet in seinen Sojasprossen einen winzigen Drachen, den er für eine Spielzeugfigur hält, doch schon nach kurzer Zeit entpuppt sich das Spielzeug als waschechter Mini-Drache namens Ping, der einiges auf Lager hat und damit für gehörig Abwechslung in Erics Alltag sorgt – auch wenn das schon mal Schwierigkeiten bedeuten kann. Und die beginnen schon damit, dass Ping unauffällig versteckt werden muss… Kann das funktionieren? Mit den richtigen Freunden möglicherweise schon…

Die Geschichte ist eine perfekte Lektüre für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren. Der Text ist nicht zu klein geschrieben und wird von vielen Zeichnungen unterstützt. Besonders toll ist ein Bild auf dem man sieht, wie Ping Videospiele spielt – übrigens nur eine der Fähigkeiten, die Mini-Drachen besitzen.
Mir ist Ping ans Herz gewachsen und wer Lust auf einen witzigen und spannenden Roman hat, ist hier bestens aufgehoben.

Übrigens: Wer wissen möchte, wie es mit Eric und Ping weitergeht: Band 2 und 3 der Reihe sind auch schon erschienen: „Drachenalarm in meinem Rucksack“ und „Drachenalarm in meinem Klo“
Viel Spaß beim Lesen wünscht

Julia Malek

Bildquelle: arsEdition

Julia Maleks Buchtipp Nr. 3 vom 28.05.2017

„Eine englische Ehe“ von Claire Fuller

Mitte der 70er Jahre beschließen die beiden Freundinnen und Studentinnen Ingrid und Louise, ein Leben jenseits der bisherigen Konventionen zu führen.
Anders als ihre eigenen Mütter möchten sie ihr Studium abschließen, reisen, unabhängig sein und ihre Träume leben. Doch es kommt anders.
Ingrid verliebt sich in Gil Coleman, ihren Literaturprofessor und verbringt einen Sommer mit ihm, an dessen Ende sie schwanger ist und zu spüren bekommt, wie streng die Regeln an englischen Universitäten sind. Auch ihre bis dahin beste Freundin kann Ingrids neuen Lebenswandel nicht nachvollziehen. Doch versteht sie ihn und sich denn selbst? Lebt sie so, wie sie es sich geträumt hatte – und wie Gil es ihr ausgemalt hatte?
Seine zahlreichen Affären gehörten jedenfalls nicht zu seinen Versprechungen und auch nicht seine häufige Abwesenheit. Zeiten, in denen sie mit ihren beiden Töchtern alleine ist.
Ingrid beginnt, Briefe an Gil zu schreiben und versteckt sie zwischen Buchseiten. Dann verschwindet sie eines Tages spurlos und lässt Ehemann und Töchter mit offenen Fragen zurück, Fragen deren Antworten zwischen Büchern stecken.
Jahre später glaubt Gil, seine Frau auf der Straße zu sehen, versucht ihr zu folgen und stürzt schwer. Seine Töchter eilen zu ihm. Werden sie nun Antworten auf ihre Fragen finden?

Von der ersten Seite an ist man als Leser der Handlung des Romans verfallen, da es Claire Fuller ausgezeichnet versteht, Spannung aufzubauen. So wechseln sich Erzählpassagen, die sich mit den gerade aktuellen Geschehnissen befassen, mit Briefen Ingrids aus dem Jahr 1992 ab, in denen sie zugleich dem Leser ihr Leben mit Gil schildert, angefangen bei der ersten Begegnung bis hin zum Jahr 1992.
Zwischendurch weiß man als Leser gar nicht, wo man am liebsten weiter lesen würde: in der Gegenwart oder doch lieber in der Vergangenheit?
„Eine englische Ehe“ ist ein toller Roman, packend und flüssig zu lesen, der zwischendurch immer wieder Fragen aufwirft, denen man auch als Leser nachgeht. Man wird die Beweggründe manch einer Person verstehen können und mit den Beteiligten hoffen… Worauf? Das müssen sie schon selbst herausfinden!
Übrigens, wenn jemand von Ihnen gerne das Ende eines Buches zuerst lesen sollte, empfiehlt es sich, das hier nicht zu tun!

Viel Spaß beim Entdecken dieser und anderer Romane bei uns im Literaturhaus

wünscht Ihre

Julia Malek

Buchcover: Piper Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 4 vom 04.06.2017

„Polly Schlottermotz“ von Lucy Astner

Ein fantastischer Lesespaß für Mädchen ab 8 Jahren.

‚Potzblitz‘ – Polly Schlottermotz hat mich von der ersten Seite an begeistert und ich freue mich jetzt schon auf Band 3, der in den nächsten Tagen erscheinen wird!
Polly ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, das gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Lotti und ihren Eltern auf einem Hof im kleinen Dorf Kalifornien lebt, auf dem genügend Platz für die Ponys Gulasch und Suppe ist, die sie mit Hilfe ihrer besten Freundin Leni vor dem Tod gerettet hat.
Pollys Leben ändert sich jedoch schlagartig, als ihr erster Milcheckzahn ausfällt und ein großer spitzer Eckzahn an seine Stelle tritt.
Als wäre das nicht schon hässlich und gruselig genug, erfährt sie von ihren Eltern, dass sie offensichtlich ein Gen geerbt hat, das ihrer Mutter erspart geblieben ist und sie zum Vampir macht. Potzblitz!
Polly will es gar nicht glauben, doch als sie in ihrer Wut darüber ungeahnte Kräfte entwickelt, lässt es sich nicht länger leugnen. Für Polly bedeutet das einen kurzfristigen Umzug zu ihrer Tante Winnie auf ein Hausboot nach Hamburg, da Winnie, die ebenfalls Vampirin ist, ihr bei der Vorbereitung auf die Vampirprüfung helfen kann. Außerdem steht von nun an ein tägliches Glas Blutorangensaft auf ihrem Speiseplan – Igitt! – für Polly ein Albtraum! Dafür warten aber fernab der Heimat nicht nur Heimweh, sondern auch jede Menge Abenteuer – und wer ein Vampir sein will, muss auch einiges lernen.
Gut, dass es auch in Hamburg den ein oder anderen gibt, der sich fantastisch als Freund eignet und das muss gar nicht immer ein Mensch sein, wie Adlerauge höchstpersönlich beweist. Wer Adlerauge ist? Das will ich hier nicht verraten, aber vielleicht hilft ein Blick auf das Buchcover schon weiter. Ganz bestimmt sogar!

Polly Schlottermotz ist toll! Die Geschichten und Abenteuer rund um die junge Vampirdame, ihre chaotische Familie und ihr neues Zuhause sind witzig, abenteuerlich und absolut liebenswert erzählt. Auch etliche Zeichnungen fehlen nicht, die den Roman unterstützen und der eigenen Fantasie Anregung bieten.
Mich hat Lucy Astner mit Polly Schlottermotz überzeugt und als einen Fan gewonnen!
Potzblitz – wann kommen endlich Band 3 … und hoffentlich auch Band 4 … und…

Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Pfingstfest wünscht Euch und Ihnen

Julia Malek

Bildquelle: Thienemann / Esslinger / Planet

Julia Maleks Buchtipp Nr. 5 vom 11.06.2017

„Hier treffen sich fünf Flüsse“ von Barney Norris

Bei Salisbury treffen fünf Flüsse aufeinander, die nach und nach zu einem werden – dem Fluss Avon.
Diese Flüsse und deren Gesang haben die Menschen schon seit Jahrhunderten zu den unterschiedlichsten Bauwerken inspiriert, bei Woodhenge angefangen, über Stonehenge, bis man den Schöpfungshöhepunkt in der Kathedrale von Salisbury fand.
Ähnlich wie die fünf Flüsse, kreuzen sich in diesem Roman die Lebenswege von fünf unterschiedlichen Menschen, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind und somit alle auf eine bestimmte Art in einen Unfall verwickelt werden – zwei als direkt beteiligte, drei als Beobachter.
Diese fünf Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts (eine Blumenverkäuferin, die nebenbei dealt, ein Junge, der sich zum ersten Mal verliebt, während sein Vater an Krebs stirbt, ein alter Farmer, der gerade Witwer geworden ist, eine Frau eines Soldaten im Afghanistan-Einsatz und ein Nachtwächter) kommen der Reihe nach zu Wort und erzählen aus ihren Leben, die mehr miteinander verwoben sind, als man zunächst ahnt.
Jeder hat, ähnlich wie die Flüsse, seine ganz eigene Stimme und eigene charakteristische Art, zu sprechen, eigene Gedanken, Ängste und Sorgen, denen sie sich stellen müssen, doch alle eint, dass sie an einem Punkt, einer Kreuzung ihres Lebens stehen.

Barney Norris, im Jahr 1987 geboren, hat einen großartigen Roman geschrieben, dessen Handlung ruhig und leise vonstatten geht. Einsamkeit, Trauer, die Suche nach Glück oder einem erfüllten bzw. bestmöglichen Leben, stehen im Mittelpunkt.
Was ist wichtig? Ein bestimmter Ort? Menschen, von denen man geschätzt und geliebt wird?

Dadurch, dass jede Person ihre eigene Geschichte erzählen darf, erfährt man als Leser parallel auch etwas von den anderen Figuren. Bilder fügen sich zusammen, Geschehnisse werden zu Ende erzählt und man bekommt einen Einblick in andere Sichtweisen und lernt weitere Facetten der Personen kennen.

Das Cover des Buches gefällt mir persönlich sehr gut und passt wunderbar zum Titel, zur Handlung und zur Erzählweise.

Ja, es ist ein nachdenklich stimmendes Buch, aber ist das negativ? Für mich ganz klar: Nein!
Ich kann es Ihnen nur empfehlen!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: DUMONT Buchverlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 6 vom 19.06.2017

„Ruby Redfort“ von Lauren Child

Ruby Redfort ist kein gewöhnliches 13-jähriges Mädchen, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen sollte. Gemeinsam mit ihren reichen Eltern lebt sie in einem großen Haus mit dazugehörigem Butler und Haushälterin und verbringt ihre Zeit am liebsten mit ihrem besten Freund und Hobbies, die ihr Spaß machen: Zeichentrickfilme schauen, ihre Telefonsammlung, witzige Sprüche und dem Beobachten und Notieren von Dingen.
Von Konventionen und dem Reichtum ihrer Eltern hält sie wenig, stattdessen interessiert sie sich für das, was hinter „etwas“ stecken könnte. Ihre Eltern hält sie eher für „dumm“, sie selbst dagegen konnte schon mit 2 Jahren die ersten Rätsel lösen und genau diese Eigenschaften, das Knacken von Rätseln – nicht irgendwelchen Kreuzworträtseln, sondern von Codes – und ihre Intelligenz, machen sie äußerst interessant für den Geheimdienst und sorgen dafür, dass Ruby zur jüngsten Geheimagentin wird und gleich in ihren ersten Fall schlittert.

Die „Ruby Redfort“-Reihe besteht bereits aus 5 Bänden (im Original sind schon 6 Bände erschienen) und ist spannende, witzige und clevere Unterhaltung für Mädchen ab 10 Jahren und Jungs, die sich nicht daran stören, dass die Hauptperson ein Mädchen ist. Ein Hinweis an alle männlichen Leser: Keine Sorge, auch Rubys bester Freund ist ständig mit von der Partie, so dass es auch für euch nicht zu mädchenlastig wird.
Die Romane versprechen Unterhaltung und Spannung von der ersten bis zur letzten Seite und dabei kann es auch schon mal um Leben und Tod gehen. Außerdem sind sie sehr gut für Vielleser bzw. Jugendliche geeignet, die gerne lesen, denn die Bücher gehören mit mehr als 400 Seiten schon zu den etwas dickeren Exemplaren.
Doch gerade jetzt, wo die Ferien vor der Tür stehen, kann auch längere Lektüre ja nicht schaden. 🙂

Ich wünsche Euch allen spannende Unterhaltung und viel Spaß mit den Fällen rund um Ruby Redfort. Übrigens, wer gerne wissen möchte, ob er selbst auch Codes und Rätsel knacken kann: Das ein oder andere Rätsel wartet in den Romanen darauf, auch vom Leser gelöst zu werden!

Eure Julia Malek

Bildquelle: Fischer Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 7 vom 26.06.2017

„Ich, Eleanor Oliphant“ von Gail Honeyman

Eleanor Oliphant ist keine geborene Oliphant, doch den Nachnamen hat sie als Jugendliche bekommen, um nicht in Verbindung mit ihrer Mutter gebracht zu werden, die Schlimmes getan hat und nun an einem anderen Ort ist, für immer weggesperrt.
Eleanor mag ihren neuen Nachnamen, hat er doch einen ganz besonderen Klang. Und „besonders“ ist ein Wort, das auch auf sie zutrifft. Mittlerweile Anfang 30, hat sie kaum Kontakt zu ihrer Außenwelt. Sie geht von montags bis freitags arbeiten, aber verbringt ihren Feierabend und die Wochenenden alleine – einzig in Begleitung von Wodka und ihren geliebten Rätseln – und hat sich in ihrer Einsamkeit und ihrem Leben eingerichtet. Glücklich? Nein, das ist sie nicht. Jeden Mittwoch ruft ihre „Mummy“ an – ein Termin, der nicht zu ihrem Wohlbefinden beiträgt und dem Leser nach und nach ein genaues Bild über den Charakter der Mutter zeichnet. Was allerdings genau geschehen ist? Auf diese Aufklärung muss man zunächst warten und tastet sich nur langsam voran. Anhand von Bruchstücken, bekommt man aber bereits eine Ahnung, auf deren Bestätigung man warten muss.
Dafür begleitet der Leser Eleanor, die sich Hals über Kopf in einen Sänger verliebt und alles dafür tut, dass diese Liebe Realität werden kann. All das, was für Sie bis dahin undenkbar war, wie beispielsweise mittägliche Verabredungen oder Besuche zu machen und zu erhalten, stürzt plötzlich auf sie ein und bringt Abwechslung und Turbulenzen.
Ähnlich farbenprächtig wie das Buchcover, entwickelt sich auch das Leben von Eleanor. Sie muss erst einmal lernen, was für andere ganz „normal“ ist und bringt den Leser mit ihren Ansichten häufig zum Schmunzeln, aber sorgt auch dafür, andere Sichtweisen auf die alltäglichen Dinge zu bekommen und das, was wichtig ist, neu zu fokussieren.

„Ich, Eleanor Oliphant“ ist ein Roman, der sich gut lesen lässt und unterhaltsam ist, aber auch etwas mitzuteilen hat.

Dieses und viele andere Bücher finden Sie bei uns im Einbecker LiteraturHaus!

Viel Spaß beim Entdecken wünscht

Julia Malek

Bildquelle: Lübbe

Julia Maleks Buchtipp Nr. 8 vom 03.07.2017

„Glücksgefühl“ von Karolin Kolbe

Karolin Kolbe ist eine junge deutsche Autorin, die 1993 in Kassel geboren ist und mittlerweile in Berlin lebt.
„Glücksgefühl“ ist bereits ihr fünfter Roman, der im Thienemann Verlag erschienen ist und ich habe fast alle davon gelesen – und war eigentlich immer begeistert.
Karolin Kolbe hat einen sehr angenehmen Schreibstil und beschäftigt sich mit Themen, die für Jugendliche interessant und direkt aus dem Leben gegriffen sind. Dabei stehen häufig neue Erfahrungen und Fragen nach dem eigenen Leben im Vordergrund.

Bei „School’s out – Jetzt fängt das Leben an!“ ging es beispielsweise um 4 Freundinnen, die nach dem Abitur vor völlig neuen Lebensabschnitten stehen und zum ersten Mal fast auf sich alleine gestellt sind. Ein Studium, ein Praktikum auf einem Bauernhof in den Niederlanden, ein Hilfsprojekt in Malaysia und ein Freiwilliges Soziales Jahr – das sind die Richtungen, in die es die 4 Freundinnen zerstreut und während dieses spannenden Jahres haben sie nur Kontakt über einen Blog, auf dem sie von ihren Erfahrungen berichten. Was dabei mal beschönigt oder auch weggelassen wird, weiß nur der Leser. Am Ende des Jahres treffen sie sich wieder. Wie werden sie sich verändert haben? Was ist in der Zwischenzeit passiert? Ein spannender Roman über das, was nach der Schule alles kommen kann.

Einem ganz ähnlichen Thema widmet sich Karolin Kolbe nun auch in ihrem gerade erschienen Roman „Glücksgefühl“.
Die Protagonistin Nike hat mit 18 Jahren bereits ihr Abi in der Tasche und jobbt in einer Buchhandlung. Noch weiß sie nicht genau, ob und was sie studieren oder welchen Beruf sie erlernen möchte, aber sie ist mit ihrem Aushilfsjob ganz glücklich.
Besonders schön und nachvollziehbar fand ich als Buchhändlerin dabei natürlich eine Szene, in der sie nach einem Arbeitstag mit einem neuen Buch nach Hause kommt, um sich mit einem Stück Streuselkuchen, das sie noch schnell beim Bäcker gekauft hat, gemütlich in ihr Zimmer zu verziehen und zu lesen. Hach ja… 🙂
Nike liebt Bücher, Theater, Filme und das Leben anderer Menschen. Häufig passiert es ihr, dass sie einfach so in das Leben ihrer Mitmenschen eintaucht und versucht sich auszumalen, wie wildfremde Personen, denen sie gerade begegnet ist, leben könnten, was sie fühlen, träumen, denken, wie es ihnen geht. Ähnliches erlebt sie im Theater oder wenn sie Filme ansieht: Sie gerät in einen Sog und landet im Leben der Charaktere auf der Bühne oder der Leinwand. Eine Gabe, die ihr bei Produktionen des Schultheaters zugute gekommen ist.
Diese Gabe und ihr Talent zum Schauspiel ist es auch, die ihre beiden Freundinnen dazu bringt, sie dazu zu überreden, sich bei einer Schauspielschule zu bewerben.
Nike selbst verschwendet zunächst keinen weiteren Gedanken daran, immerhin war es der Wunsch und Traum ihrer Freundinnen, sie dort anzumelden und nicht ihr eigener. Umso erstaunter ist sie deshalb, als sie tatsächlich eine Einladung zu einem Vorsprechen erhält, was gleichzeitig der Startschuss für etwas völlig Neues wird. Denn als wäre eine Ausbildung zur Schauspielerin nicht schon aufregend genug, begegnet Nike gleich am ersten Tag Jasper, der ihre Gefühle völlig durcheinander bringt. Was wird sich in ihrem Leben noch alles ändern?

„Glücksgefühl“ ist ein Roman für Jugendliche, der sich mit den Themen Erwachsenwerden, Berufswünsche, Träume und natürlich der großen Liebe beschäftigt, ohne dabei kitschig oder belehrend zu werden oder zu wirken. Auch der Umgang mit der Schauspielerei wird von verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und bietet interessante Einblicke.

Wer aktuell auf der Suche nach einem schönen und unterhaltsamen Buch ist – Hier ist es!

Viel Spaß mit der Lektüre – und das noch dazu in den Ferien! –
wünscht Euch

Julia Malek

Bildquelle: Thienemann / Esslinger / Planet

Julia Maleks Buchtipp Nr. 9 vom 10.07.2017

Kriminalromane mit dem Ermittler Kimmo Joentaa von Jan Costin Wagner

Man erlebt es äußerst selten, dass sich alle Kollegen einer Buchhandlung für einen Schriftsteller oder ein Buch begeistern können, aber bei den Krimis von Jan Costin Wagner war genau das der Fall: Als vor etlichen Jahren in der Buchhandlung, in der ich vor meinem Beginn hier im Einbecker LiteraturHaus gearbeitet habe, eine Lesung mit Jan Costin Wagner anstand, waren wir alle gleichermaßen von seinen zwei bis dahin erschienenen Romanen um Kimmo Joentaa begeistert. Niemand hatte etwas daran auszusetzen, nichts zu kritisieren, alle waren sofort vom Lesefieber gepackt und das hat tatsächlich auch bis heute angehalten. Im November wird der 6. Band der Reihe erscheinen und es ist wohl keine Überraschung, wenn ich Ihnen verrate, dass ich mich jetzt schon darauf freue.
Der Name des Ermittlers lässt vermutlich bereits erahnen, in welches Land uns die Krimis entführen. Genau, sie spielen in Finnland.
Jan Costin Wagner stammt aus Deutschland, ist aber mit einer Finnin verheiratet und lebt abwechselnd in Finnland und Deutschland. Aus diesem Grund hat er das Szenario seiner Romane wohl auch nach Finnland verlegt.
Auch, wenn bei uns der Sommer gerade eine Pause einzulegen scheint, gönnen die Bücher aber auch bei wärmeren Temperaturen eine Abkühlung in Finnland.
Im ersten Band „Eismond“ lernen wir den Polizeiinspektor Kimmo Joentaa aus Turku kennen, der gerade den Tod seiner geliebten Frau verkraften muss, die nach langer Krankheit gestorben ist. Die Trauer um diesen Verlust ist ein zentrales Thema im Buch, aber die Arbeit, genauer gesagt ein neuer Mordfall, bei dem eine junge Frau mit Hilfe eines Kissens erstickt wurde, soll als Ablenkung dienen.

Die Krimis von Jan Costin Wagner sind weder bluttriefend, noch von brutaler Sprache gekennzeichnet. Stattdessen sind sie psychologisch aufgebaut und entwickeln einen Sog, der den Leser mit sich zieht und erst zum Ende des jeweiligen Romans wieder los lässt. Man trifft auf Ermittler und Kollegen, mit denen man selbst gerne zu tun hätte und lässt sich von der Atmosphäre der Bücher anstecken.
Jan Costin Wagner kann schreiben und Geschichten erzählen! Und nicht selten wartet ein überraschendes Ende auf den Leser.
Ich kann die Krimis nur empfehlen, gerade auch den Lesern, die keine Lust auf Gewalt, Blut und Brutalität haben.

Folgende Bände sind bisher erschienen:

1) Eismond
2) Das Schweigen
3) Im Winter der Löwen
4) Das Licht in einem dunklen Haus
5) Tages des letzten Schnees

Im November wird Band 6 folgen: Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass auch Sie von der Begeisterung angesteckt werden und gerne den ein oder anderen lesenden Abstecher nach Finnland unternehmen!

Ihre Julia Malek

Bildquellen: Goldmann Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 10 vom 17.07.2017

„10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise“ von Susanne Göhlich und andere „Gespenster-Titel“

Heute ist es endlich mal an der Zeit, Buchtipps für die kleinen Bücherfreunde vorzustellen, die zwar noch nicht selbst lesen, aber dafür Bilder anschauen und sich Geschichten vorlesen lassen können. Das bedeutet oftmals nicht nur Spaß und Vergnügen für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen.
Bilderbücher sind für Kinder unheimlich wichtig und es kann ein sehr schönes Ritual sein, mit seinen Kindern gemeinsam Bücher anzugucken und ihnen vorzulesen. Dabei kann man zusammen Geschichten entdecken und kennenlernen.

„10 kleine Burggespenster schliefen in der Scheune. Eines hörte den Wecker nicht da zogen los nur neune.“
Wenn man diesen ersten Satz des Pappbilderbuches liest, hat man vermutlich gleich eine bestimmte Melodie im Kopf und genau nach dem Prinzip dieses Liedes funktioniert auch das Buch. Die Burggespenster möchten auf eine Reise gehen, doch nach und nach werden sie jeweils ein Gespenst weniger. Natürlich liegen am Ende des Buches wieder alle 10 Burggespenster müde in ihren Betten, aber bis dahin erleben sie einige Abenteuer, die Susanne Göhlich wunderbar illustriert hat. Pro Doppelseite wartet dabei ein Vierzeiler auf die Kinder, und eine Griffleiste im oberen Teil des Buches zeigt, welches Gespenst als nächstes verschwinden wird und erleichtert den Kindern das Umblättern.

Als ich 2016 zum ersten Mal das Buch mit den Burggespenstern in der Hand hielt, war ich zugegebenermaßen sofort hin und weg. Das Buch wurde vom Verlag zum Erscheinen mit passenden Buttons ausgeliefert und ich war komplett begeistert davon.
Susanne Göhlich gehört zu meinen absoluten Lieblingsillustratoren! Die Gespenster sind so süß gezeichnet, das ich es gleich zu einem meiner Lieblingsbücher erklärt habe.

Umso schöner ist es, dass Anfang des Jahres nun weitere Bücher von den Burggespenstern erschienen sind.
Zum einen sind da die beiden Pappbücher „Das Geschenk“ und „Auf der Schaukel“, in denen jeweils eine kleine Geschichte in kurzen Sätzen und mit vielen Bildern erzählt wird.
Lesevergnügen für Kinder ab 2 oder 3 Jahren, je nachdem, wie geübt sie im Umgang mit Büchern sind und wie gerne sie zuhören und wie gut sie sich konzentrieren können.

Aber auch an die älteren Kinder wurde gedacht. Ebenfalls Anfang des Jahres ist nämlich ein 96-Seiten dickes Vorlesebuch für Kinder ab 4 oder 5 Jahren erschienen.
In „Wer hat Angst vorm schwarzen Gespenst?“ von Britta Nonnast, mit Illustrationen von Susanne Göhlich, treffen die Burggespenster zum ersten Mal aufeinander. Luzi muss ihr bisheriges Zuhause, das Theater, aufgeben und ist auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Dabei ist ihr das Waschsalon-Gespenst Marti behilflich, doch parallel möchte er noch ein schwarzes Gespenst finden, das sein Unwesen treiben soll. Dabei begegnen ihnen an den unterschiedlichsten Orten die weiteren Gespenster, die auf liebevolle Art beschrieben und illustriert werden. Eine schöne und abenteuerliche Geschichte, die zeigt, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt ist und dass man nicht allen Vorurteilen glauben schenken soll und ein anderes Aussehen nichts Schlimmes ist. All dies ist allerdings in der Geschichte verpackt worden, ohne aufdringlich zu sein oder mit erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. Man kann das Buch auch einfach nur als nette Abenteuergeschichte lesen und natürlich als eine der süßesten Gespenstergeschichten überhaupt… Aber das ist vermutlich keine Begründung, um einem Jungen das Buch schmackhaft zu machen. 😉

Im Herbst wird es übrigens weitere Gespenster-Bücher geben!

Viel Spaß beim gemeinsamen Eintauchen in die Welt der Burggespenster wünscht Euch

Julia Malek

Bildquellen: Orell Füssli Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 11 vom 24.07.2017

„Lichter als der Tag“ von Mirko Bonné

Raimund, Moritz und Floriane sind seit ihrer Kindheit Freunde. Zu einem Vierergespann werden sie, als Inger, Tochter eines dänisches Malers, in ihren Ort zieht. Anfangs noch eine eingeschworene Gruppe, wird ihre Freundschaft mit den Jahren immer wackliger, als sich beide Jungen in Inger verlieben und schließlich Moritz das große Los zieht und Inger für sich gewinnen kann. Auch Raimund und Floriane werden ein Paar, doch die Freundschaft unter den Paaren geht in die Brüche.
Jahre später, Floriane und Raimund sind Eltern zweier Töchter und auch Inger und Moritz haben eine Tochter bekommen, sieht Raimund Inger am Hamburger Hauptbahnhof und folgt ihr – und das Leben gerät erneut ins Straucheln.
All die Jahre ohne Kontakt zu den Freunden konnten keine Wunden heilen. Alte Gefühle brechen erneut auf, Wahrheiten kommen ans Licht und Raimund scheint vor einem Scherbenhaufen zu stehen, sowohl privat als auch beruflich.
Verzweifelt versucht er, wieder Ordnung zu schaffen, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen und herauszufinden, was wichtig und das Richtige zu sein scheint.
Immer wieder begegnen ihm dabei Gemälde, die ein so besonderes Licht ausstrahlen, das er auch damals während der Zeit der großen Freundschaft zum ersten Mal gesehen hat, als sie viel Zeit in einem wilden Garten am Dorfrand verbracht haben. Dieses Licht lässt ihn nicht los.

Mirko Bonnés neuestes Buch, das gerade erst erschienen ist, fasst das Thema des Goethe-Romans „Die Wahlverwandschaften“ auf.
Dabei steht Raimund Merz im Mittelpunkt und der Leser findet sich schnell in der Zwickmühle des Protagonisten wieder. Man durchlebt die Verzweiflung, Traurigkeit und Melancholie mit ihm und begleitet ihn auf seinem Weg. Dabei darf man gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln und welche Entscheidungen getroffen werden.
Als Leser hat man einen guten Ein- und Überblick über die Beziehungen von Raimund und Floriane und von Moritz und Inger und ahnt und sieht, was schon in der Jugend an einigen Stellen schief gelaufen ist. Warum lässt man sich dennoch auf Beziehungen ein? Wieso kann man sich so entzweien? Wie viel hält eine Freundschaft aus? Kann man irgendwann mit der Vergangenheit abschließen?

„Lichter als der Tag“ ist ein fesselnder, toll geschriebener Roman des in Hamburg lebenden Autors Mirko Bonné. Mit seinem Buch „Nie mehr Nacht“ hat er es 2013 bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft.
Auch „Lichter als der Tag“ ist absolut lesenswert: Ein interessantes Thema, sprachlich ansprechend verpackt!

Da bleibt mir nur zu sagen:

Ich wünsche Ihnen gute literarische Unterhaltung bei der Lektüre des Romans!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Schöffling & Co.

Julia Maleks Buchtipp Nr. 12 vom 28.07.2017

„Was wir dachten, was wir taten“ von Lea-Lina Oppermann

Kennt ihr das Gefühl, aus einem Buch aufzutauchen, noch in der Geschichte gefangen zu sein und erst mal eine Weile zu brauchen, bis man wieder komplett in der Realität angekommen ist? Immer wieder schweifen die Gedanken zur Lektüre zurück, man braucht ein wenig, um das Gelesene abzuschütteln und sich mit dem Alltag beschäftigen zu können?

Genau so ist es mir während der Lektüre von „Was wir dachten, was wir taten“ gegangen. In meiner Mittagspause hatte ich schon einen Großteil des Buches gelesen und hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört, sondern auch noch die letzten Seiten verschlungen, um zu erfahren, wie es weitergeht und vor allen Dingen, wie das Buch enden wird.
Es ist eine unglaublich spannende und fesselnde Geschichte, die sich die 1998 geborene Autorin ausgedacht hat.
Lea-Lina Oppermann studiert Sprechkunst und Kommunikationspädagogik und gleich zu Beginn merkt man ihr den ersten Studiengang auch direkt an, da sich die Einleitung ein wenig wie ein Poetry-Slam-Beitrag liest.

Doch worum geht es überhaupt?
In einer Schule erfolgt die Durchsage, dass ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem aufgetreten sei und man sich in einem Fachraum einschließen solle, bis weitere Anweisungen durchgegeben werden.
Amokalarm?
Eine Klasse trifft es direkt während der Mathearbeit, der Lehrer befiehlt, die Klassenzimmertür zu verriegeln und danach heißt es abwarten. Doch ein Maskierter kann eindringen und zwingt die Klasse dazu, ihm seine letzten Wünsche zu erfüllen – und zwar Wünsche und Aufgaben, die jeden einzelnen der Anwesenden im persönlichsten Bereich treffen. Geheimnisse werden aufgedeckt, Schwächen und negative Eigenschaften werden bestraft und Dinge kommen ans Licht, mit denen niemand gerechnet hat. Dabei werden Grenzen überschritten, die unter normalen Umständen ein absolutes Tabu gewesen wären. Oder doch nicht?
Dazwischen die Angst vor dem bewaffneten Unbekannten, der von seiner Schusswaffe auch Gebrauch macht. Ein Unbekannter, der alles über die Schüler zu wissen scheint. Wer ist er? Was bezweckt er? Wie soll das Ganze enden? Eines ist klar: Alles was geschieht, kann nicht rückgängig gemacht werden.

Erzählt wird der Tag aus der Sicht der Schüler Fiona und Mark und ihres Mathelehrers. Fiona ist eine begabte und kluge Schülerin, 1er-Kandidatin, die immer tut, was man von ihr verlangt und in der ersten Reihe sitzt. Mark ist ein Außenseiter, schon mal aufmüpfig, der lieber sein Schuldasein in der letzten Reihe fristet. Herr Filler, gut aussehend, Schwarm und Held einiger Schülerinnen, sieht sein bis dahin aufgebautes Image davonschwimmen.
Diese Erzähler geben Einblicke in ihre Gedankenwelt, erzählen aus ihrer Vergangenheit und berichten, was im Klassenraum geschieht. Dabei analysieren sie auch ihre Mitschüler und liefern dem Leser notwendiges Hintergrundwissen.
Lea-Lina Oppermann gibt durch ihre Erzählweise dem Leser das Gefühl, selbst im Klassenraum zu sitzen und in der gefährlichen Situation des Amoklaufes dabei zu sein. Man kann sich in die Schüler hineinversetzen und überlegt selbst, wie man wohl in einer solchen Situation reagieren würde, in die man nie geraten möchte.

„Was wir dachten, was wir taten“ ist Spannung pur, ein Roman, der atemlos macht und zum Nachdenken anregt. Ein ernstes Thema, toll und lesenswert erzählt!

Ich wünsche euch allen fesselnde Stunden beim Lesen! Die Zeit wird vergehen wie im Flug…

Eure Julia Malek

Bildquelle: Beltz & Gelberg

Julia Maleks Buchtipp Nr. 13 vom 04.08.2017

„Sieh mich an“ von Mareike Krügel

Katharina hat etwas in ihrer Brust entdeckt, ein ETWAS, von dem sie ausgeht, dass sie daran sterben muss. Aber bevor sie sich in ihr Schicksal fügt und einen Arzt aufsucht, möchte sie ein Wochenende in Normalität verbringen.
„Am Montag also werde ich die Maschinerie in Gang setzen, mich fügen und den vorgegebenen Weg gehen. Von Montag an darf alles anders werden. Montage sind Schwellentage. Jetzt ist Freitag, und die Aufgabe von Freitagen ist es, die Woche sanft ausklingen zu lassen.“ („Sieh mich an“ S. 19)
Immerhin ist auch einiges zu erledigen, man kann ja nicht einfach so sterben und außerdem steht ein ereignisreiches Wochenende bevor.
Ihr Mann arbeitet unter der Woche in Berlin und verbringt nur die Wochenenden bei seiner Familie an der Küste. Dieses Wochenende wird er nicht da sein, da eine Feier in seiner Firma ansteht. Stattdessen bekommt Katharina Besuch von ihrem Jugendfreund, der es im Gegensatz zu ihr mit seiner Musik weit gebracht hat und auf Tournee gehen darf, während sie kleine Kinder mit Musik vertraut macht.
Ihre beiden Kinder werden das Wochenende außer Haus verbringen, wobei ihr gerade Tochter Helli Sorgen macht. Helli fällt immer und überall auf, durch Wutanfälle und plötzliches Nasenbluten, das sie nach Belieben kontrollieren kann und ihr häufig zu Fehlstunden in der Schule verhilft. So auch an diesem Freitag. Bevor Katharina das Wochenende für sich hat, muss Tochter Helli aus der Schule abgeholt werden. Nach einer turbulenten Autofahrt, findet sie ihren Nachbarn vor, der sich bei einem Unfall mit dem Rasenmäher ein Stück des Daumens abgetrennt hat, die Tochter muss zum Reitunterricht gebracht und das Zimmer für den Jugendfreund hergerichtet werden. Aufgaben über Aufgaben, die durch immer wieder neu auftretende Komplikationen kaum zu bewältigen scheinen.
Dazwischen ihre Gedanken: Gedanken über das Etwas, ihre Ehe, ihre Kinder, Wünsche und Träume, ihr Leben. Ist sie zufrieden mit sich und dem, was sie aus sich gemacht hat? Was wird aus ihren Kindern werden, wenn sie nicht mehr da ist? Was muss alles geregelt werden?
Von dem gefundenen Etwas hat sie bisher niemandem erzählt und das soll auch so bleiben. Jedenfalls bis Montag. Doch dann kommt am Wochenende ein Punkt, der in ihr den Wunsch auslöst, einer Person, die sie liebt, von dem Etwas zu erzählen.

Es ist gar nicht so einfach, „Sieh mich an“ zu beschreiben, ohne zu viel davon zu erzählen. Man muss den Roman tatsächlich selbst gelesen haben, der sehr rasant geschrieben und angenehm zu lesen ist. Skurrile Situationen und Witz wechseln sich mit nachdenklichen Szenen und Gedanken ab. Dieses emotionale Buch handelt nicht nur von der Thematik „Krebs“, sondern beschäftigt sich mit Fragen zu Alltag, Glück, Zufriedenheit, Familie, Beruf, und und und, die sich jeder von uns ab und an ebenfalls stellen wird.
Der Schreibstil von Mareike Krügel ermöglicht es dem Leser, das Buch trotz allem mit einer gewissen Leichtigkeit zu lesen. Es bietet Anlass zum Lachen und zum Weinen und lohnt sich einfach! Manchmal braucht es gar keine Begründung, um ein Buch zu lesen. Man sollte es in die Hand nehmen und damit beginnen…

Diesen und viele andere Romane finden Sie bei uns im Literaturhaus.
Sollte bei den Buchtipps nichts Passendes für Sie dabei sein, empfehlen wir Ihnen gerne vor Ort noch weitere Bücher!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Piper Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr 14 vom 12.08.2017

„Der zauberhafte Wunschbuchladen“ von Katja Frixe

In Frau Eules Wunschbuchladen muss sich einfach jeder wohlfühlen. Dort wimmelt es nur so von guter Literatur und Frau Eule hat garantiert den richtigen Tipp für jeden Kunden, der den Laden betritt. Manchmal finden auch die Bücher den passenden Leser, in dem sie sich kurzerhand aus dem Regal stürzen und so auf sich aufmerksam machen. Es kann auch passieren, dass Koch- und Backbücher ihre Düfte verströmen, Buchfiguren durch den Laden wandern oder das Cover ein Eigenleben entwickelt und sich vom Buch löst.
Neben Frau Eule gehören der sprechende Kater Gustaf und der Spiegel Herr König zum Inventar. Allerdings können nur Frau Eule und Clara, ein Mädchen, das es liebt im Wunschbuchladen zu sitzen und zu lesen, die beiden hören und sich mit ihnen unterhalten. Die übrigen Kunden ahnen nichts von diesen Eigenschaften.
Clara kann sich keinen schöneren Ort als die Buchhandlung vorstellen. Wenn Frau Eule aus der Konditorei „Schokohimmel“ nebenan noch Schokotörtchen, Muffins und andere schokoladige Köstlichkeiten besorgt, ist fast jedes Problem sofort vergessen und alles nahezu perfekt.
Wäre da nur nicht der Umzug von Claras bester Freundin Lene, der bevorsteht. Lenes Vater hat eine neue Freundin, weshalb Lenes Mutter mit Lene in eine andere Stadt ziehen möchte, gut 1 1/2 Stunden entfernt. Eine unbeschreibliche Katastrophe für Clara und Lene, die unzertrennlich sind. Wenigstens bleiben Clara noch Frau Eule, Gustaf und Herr König, die sich genau wie ihre Familie die allergrößte Mühe geben, sie wieder aufzuheitern.
Doch der Beginn des neuen Schuljahrs ohne beste Freundin entpuppt sich als Horror und wartet mit einer bösen Überraschung nach der nächsten.
Außerdem scheint es jemand darauf angelegt zu haben, Frau Eule und den Wunschbuchladen in den Ruin zu stürzen. Dagegen muss etwas unternommen werden!
Zum Glück ist manchmal auch nicht alles ganz so furchtbar, wie es im ersten Moment erscheint.

Wer würde sich nicht einen zauberhaften Wunschbuchladen wünschen?
Im Literaturhaus geschehen zwar nicht ganz so „zauberhafte“ Dinge wie im Wunschbuchladen, da im Normalfall keine Bücher aus den Regalen purzeln und ein Eigenleben entwickeln, aber trotzdem ist es in meinen Augen eine ähnliche Buchhandlung zum Wohlfühlen in besonderer Atmosphäre und ein Ort, um in Geschichten einzutauchen bzw. die passenden Bücher dazu zu finden.
„Der zauberhafte Wunschbuchladen“ von Katja Frixe ist ein Roman für Kinder ab 8 Jahren, der mit magischen Elementen, aber auch mit Themen aus dem Alltag, ein wunderbares Lesevergnügen bietet.
Was wäre man ohne Bücher? Was ohne die beste Freundin oder Freunde ganz allgemein? Wie lässt sich ein schrecklicher Schultag am besten überstehen?
Bücher, Schokolade, der verrückte Kater Gustaf, der am liebsten reimt und sich gerne mit Herrn König zankt, der wiederum ein Talent dazu hat, den Charakter und die Gefühle der Menschen zu erkennen und – nicht zu vergessen – natürlich Frau Eule werden alle begeistern und es ist einfach schön, dass bereits Band 1 („Der zauberhafte Wunschbuchladen“) und Band 2 („Der zauberhafte Wunschbuchladen – Der hamsterstarke Harry“) aus dieser Reihe erschienen sind. Im August wird auch noch Band 3 „Der zauberhafte Wunschbuchladen – Schokotörtchen für alle!“ folgen.

Vielen Dank an Katja Frixe für diese fantastische Unterhaltung, die ich als Erwachsene übrigens ebenfalls hatte und die ich auch allen weiteren Lesern wünsche!

Eure Julia Malek

Bildquellen: Dressler Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 15 vom 19.08.2017

„Die Kapitel meines Herzens“ von Catherine Lowell

Gerade, wenn das Wetter draußen hin und wieder schon leicht herbstlich anmutet, gibt es nichts schöneres, als es sich auf dem Sofa mit einem Buch gemütlich zu machen und in andere Welten einzutauchen. Genau dazu lädt dieser wunderbare Schmöker ein.

Samantha Whipple studiert am renommierten Old College in Oxford Literatur. Ihr Tutor ist ein Professor, der sie einerseits verunsichert, aber andererseits mit seinem Wissen und seiner Art zugleich fasziniert. Ein Literaturstudium scheint für „Sam“ geradezu vorherbestimmt, auch wenn sie etliche Autoren schlicht und einfach nicht leiden kann. Allerdings ist sie nicht nur mit Büchern aufgewachsen, sondern nach dem Tod ihres Vaters die letzte lebende Verwandte der Brontë-Familie. Ihr Vater war direkter Nachfahre der Dynastie und ein bekannter Autor, der sich zeitlebens nur mit dem Erbe seiner Familie auseinandergesetzt und versucht hat, die Geheimnisse seiner Vorfahren zu lüften. Nachdem er in seinem eigenen Haus verbrannt ist, liegt das Erbe der Familie nun ganz allein bei Samantha und über dieses Erbe werden die größten und unglaublichsten Spekulationen seitens der Presse und des Kurators der Brontë-Parsonage, Sir John Booker, angestellt. Auch Sam ist gespannt, was sie erben wird, gleichzeitig fürchtet sie sich davor. Als sie dann nichts weiter als ein altes Lesezeichen – Made in China – in den Händen hält, das zwar für sie von Bedeutung ist, aber keineswegs für die Öffentlichkeit, glaubt sie, ihr Vater habe ihr, wie schon in ihrer Kindheit, auf diesem Wege ein Rätsel gestellt und sie macht sich auf, ein geheimes Erbe zu suchen. Oxford soll ihr dabei behilflich sein. Auf ihrer Suche erfährt sie nicht nur einiges Neues über ihren Vater, sondern sie wird auch immer wieder von Überraschungen heimgesucht.

Catherine Lowell hat einen Roman über eine junge Frau geschrieben, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ist und dabei die Geister ihrer Familie endlich verstehen oder aber loswerden möchte.
„Die Kapitel meines Herzens“ macht Lust darauf, sich mehr mit den Brontës zu beschäftigen. Ihre Bücher und ihre Biografien spielen eine große Rolle. Es werden Textstellen zitiert, Inhalte interpretiert, Geschichten erzählt und erfunden. Dabei ist es egal, ob man als Leser die Romane bereits kennt und Vorwissen mitbringt, oder nicht. Jeder wird in die Zeit der Brontës eintauchen und sich seinerseits fragen, was wie verstanden werden darf.
Aber keine Sorge, Sie werden keine schwere, wissenschaftliche Kost vorfinden, sondern einen Roman, der spannend und interessant ist, aber auch mal zu Herzen geht, ohne dabei zu kitschig zu werden.
Anspruchsvoll? Nein, das würde ich nicht sagen. Gute Unterhaltung? Ja, auf jeden Fall!

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der Lektüre – ich meinerseits werde diesen Buchtipp nun beenden und mich auf in die Welt der Brontës „stürzen“.
Bis zum nächsten Tipp grüßt Sie herzlich aus dem Einbecker LiteraturHaus

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Atlantik Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 16 vom 26.08.2017

„Flätscher – Bd. 1 – Die Sache stinkt“ von Antje Szillat

Wenn Flätscher sich selbst beschreiben müsste, würde er sich wohl als das mutigste, schlaueste und coolste Stinktier der Welt vorstellen.
Jawohl, Flätscher ist ein Stinktier und darauf legt er auch Wert – und er darf in gar keinem Fall mit einer Katze und schon gar nicht mit einer Ratte verwechselt werden. Zu seinem Leidwesen geschieht das nämlich häufiger, als ihm lieb ist. Dabei gibt es ja wohl glasklare Unterschiede zwischen einer Katze, einer Ratte und einem Stinktier. Aber gut, er ist es von den Menschen nicht anders gewohnt, denn gerade weil er ihre Sprache versteht, erscheinen sie ihm häufig als etwas schwer von Begriff.
Sein Lieblingsessen sind Semmelknödel und die organisiert er sich tagtäglich in seinem Zuhause, einem Hinterhof, in dem auch die Mülltonnen vom Spitzenkoch Bode stehen.
Als er bei einem seiner Essens-Ausflüge im Jute-Sack von Herrn Bode landet, zieht er sich den Zorn des Kochs auf sich und kann sich mit Hilfe seiner Stinkekanone gerade noch ins Hosenbein von Theo retten, Bodes Sohn.
Theo ist begeistert, da er nicht nur Flätscher versteht – ein Vorkommnis, das auch das Stinktier bislang noch nicht erlebt hat – , sondern die beiden etliche Gemeinsamkeiten entdecken. Abgesehen von ihrer Vorliebe für Semmelknödel haben beide beispielsweise Interesse an Detektivarbeiten und so gründen sie gemeinsam die Hinterhof-Detektei.
Zusammen mit der Zwergwieseldame Cloe als Sekretärin und der O-Clique, den Kellermäusen Olaf, Mo, Jo und Flo, starten sie in ihren ersten Fall.
Dabei sind nicht nur die Stinkekanone, Spürnase und Coolness von Flätscher, sondern auch Theo eine große Hilfe.

„Flätscher“ ist ein witziger, spannender und cooler Roman für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren. Die Illustrationen von Jan Birck lockern den Text auf und sorgen für noch mehr Spaß beim Lesen, so dass auch Kinder, die nicht ganz so gerne oder viel lesen, hier auf ihre Kosten kommen.
Band 1 und 2 der Reihe sind bereits erschienen, im Dezember wird Band 3 folgen.

Was besonders schön ist:
Antje Szillat wird am Freitag, 3.November 2017 um 16.00 Uhr bei uns im LiteraturHaus zu Gast sein und aus „Flätscher“ lesen. Die Eintrittskarten kosten 5 € und sind bereits erhältlich! Wir freuen uns über jeden Gast – egal ob klein oder groß – der bei dieser Veranstaltung dabei sein wird!

Ich wünsche euch viel Spaß mit „Flätscher“ und hoffe, wir sehen uns im LiteraturHaus!

Eure Julia Malek

Bildquellen: dtv Verlagsgesellschaft

Julia Maleks Buchtipp Nr. 17 vom 02.09.2017

„Die Wurzel alles Guten“ von Miika Nousiainen

Pekka Kirnuvaara ist bei seiner Mutter aufgewachsen, nachdem der Vater die Familie verlassen hat, als Pekka 3 Jahre alt war. Die Abwesenheit des Vaters beschäftigt Pekka trotz unzähliger Therapiestunden bis heute, doch er hat sich geschworen, es bei seinen eigenen Kindern besser zu machen und sie nicht im Stich zu lassen. Allerdings sind er und seine Exfrau schnell an den eigenen und den gesellschaftlichen Ansprüchen des Wohnviertels an ein perfektes Leben gescheitert und haben sich getrennt. Auch wenn Pekka ein Jahr lang zu Hause geblieben ist, um seiner Frau den Rücken freizuhalten, möchte sie nach der Trennung den Hauptanteil der Erziehung übernehmen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Kinder ihren Vater nur jedes zweite Wochenende sehen dürfen. Ist es so möglich, ein guter Vater zu sein?

Pekkas Vorliebe für Süßigkeiten und zuckerhaltige Lebensmittel und mangelnder Mundhygiene (2 mal am Tag Zähneputzen? Zahnseide? Muss das sein?) ist es geschuldet, dass er schon immer mit einer schlechten Zahngesundheit zu kämpfen hatte. Als er bei einem Kassenarzt trotz starker Schmerzen keinen schnellen Termin bekommt, entschließt er sich dazu, einen Zahnarzt für Privatpatienten aufzusuchen, der zufälligerweise ebenfalls den Nachnamen Kirnuvaara trägt, ein Name, der in Finnland nicht gerade häufig vorkommt. Kann das tatsächlich ein Zufall sein oder sind beide etwa miteinander verwandt?
Während einer Wurzelbehandlung und den bohrenden Fragen Pekkas, gesteht Esko Kirnuvaara, der Halbbruder von Pekka zu sein und lässt sich nach und nach dazu überreden, sich näher kennenzulernen und den gemeinsamen Vater zu suchen. Auf der Reise warten nicht nur einige Überraschungen auf die Geschwister, sondern auch etliche neue Begegnungen. Werden Sie am Ende mehr über sich und ihre Identität erfahren?

„Die Wurzel alles Guten“ ist der erste Roman von Miika Nousiainen, der ins Deutsche übersetzt worden ist.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht Pekkas und Eskos erzählt, was dazu führt, dass die unterschiedlichen Charaktereigenschaften aber auch die Gemeinsamkeiten der Brüder gut dargestellt werden. Man wird als Leser von Anfang an in die Geschichte eingesogen und möchte nicht aufhören, zu lesen. Ich habe mich zu keiner Zeit des Romans gelangweilt oder hatte den Wunsch oder das Bedürfnis, dass die Handlung schneller voranschreiten möge.
Die einzelnen Kapitel sind mit kurzen Überschriften bzw. Anleitungen versehen, die sich auf eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt beziehen, allerdings in diesem Fall auch mit der Abstammung – der Wurzel – der Brüder und deren Suche gleichgesetzt werden können.
Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Romane von Miika Nousiainen übersetzt werden, da der Roman sprachlich gelungen ist. Dadurch, dass Tiefe, Humor und Unterhaltung gut aufeinander abgestimmt sind, war es ein schönes Leseerlebnis. Auch die Thematik des Buches ist interessant und gut umgesetzt und deshalb könnte ich mir vorstellen, dass seine anderen Romane ähnlich ansprechend sein dürften.

Zahnarztbesuche zählen vermutlich nicht zu den allgemeinen Lieblingsbeschäftigungen, aber lassen Sie sich deshalb nicht von diesem Buch abschrecken. Es kommt zwar die ein oder andere Szene vor, die auf dem Behandlungsstuhl spielt, aber in diesem Fall sind ja nicht Sie betroffen, was es doch bestimmt gleich angenehmer macht, oder? 😉

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre des Buches und grüße herzlich aus dem LiteraturHaus!

Ihre Julia Malek

P.S.: Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch bei uns – und versprechen Ihnen: bei uns wird garantiert nicht gebohrt! 😉

Bildquelle: Nagel & Kimche

Julia Maleks Buchtipp Nr. 18 vom 08.09.2017

„Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt“ von Nicholas Gannon

Archer Helmsley wohnt in einem riesigen Haus, das auf Besucher wie ein Museum wirken könnte.
Es wimmelt dort nur so von ausgestopften Tieren, alten Landkarten, Fundstücken und Erinnerungen, die Archers Großeltern auf ihren zahlreichen Expeditionen aus den unterschiedlichsten Ländern und Ecken der Welt mitgebracht haben. Seine Großeltern hat Archer bislang allerdings nicht kennengelernt, dabei wohnt er mit seinen Eltern sogar in ihrem Haus. Da Archers Mutter Angst hat, dass sich die Reise- und Abenteuerlust auch auf ihren Sohn übertragen könnte, hat sie den Großeltern verboten, Archer zu besuchen. Dafür schicken sie ihm heimlich aber Pakete, die kleine Souvenire von ihren Reisen beinhalten und kurze Briefe, die für Archer zu den wichtigsten Dingen seines Lebens gehören. Diese Geschenke versteckt er sorgfältig vor seiner Mutter. Von der Absprache zwischen Eltern und Großeltern weiß er nichts, doch der Wunsch auch selbst auf eine Expedition zu gehen, steckt ihm bereits in den Genen.
Als seine Großeltern von einer ihrer Reisen in die Antarktis nicht mehr zurückkehren, reift in Archer der Gedanke, selbst in die Antarktis aufzubrechen, um seine Verwandten zu finden. Dabei hofft er auf die Unterstützung seiner Nachbarn und Mitschüler Christopher und Adelaide.
Ganz davon abgesehen, dass es auch so schon für Kinder schwierig genug ist ein solches Abenteuer zu planen, liegt die erste Herausforderung bereits in Archers Hausarrest. Es ist ihm untersagt das Haus zu verlassen, damit er gar nicht erst auf dumme Ideen kommen könnte. Abgesehen von seinem Schulweg, hat er bisher also auch so gut wie gar nichts von seinem eigenen Wohnort gesehen. Doch davon lässt er sich nicht abhalten, immerhin warten zu Hause auf ihn nur Abendessen in „feiner Gesellschaft“, die seine Mutter veranstaltet und eine der schrecklichsten Lehrerinnen der Welt, die zugleich noch seine Nachbarin ist. Da kann die Androhung, bei Ungehorsam in ein Internat zu müssen, doch gar nicht so viel Abschreckung bieten, oder?

„Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt“ ist ein wunderschönes und wunderbares Abenteuerbuch für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren. Schon die Aufmachung des Buches ist etwas ganz besonderes. Nicholas Gannon hat nicht nur den Text geschrieben, sondern auch etliche Seiten dafür illustriert. Der Coppenrath Verlag hat das mit einer sehr guten Papierqualität gewürdigt. So besticht das Buch nicht nur durch seinen Inhalt und die Optik, sondern auch durch das Gefühl, das man beim Blättern erhält.
Abgesehen vom Äußeren ist auch das Innenleben des Buches sehr gelungen. Der Leser findet sich in einer ganz anderen Welt wieder und kann gemeinsam mit Archer versuchen, dessen Großeltern zu finden. Außerdem wird es den jungen und erwachsenen Lesern nicht schwerfallen, sich vorzustellen, wie es ist, mit Archers Mutter unter einem Dach zu leben und die Lehrerin Mrs. Murkley oder diverse Abendessen zu ertragen.
Im Oktober wird Band 2 „Die höchst eigenartige Verschwörung von Barrow’s Bay“ erscheinen. Ein Abenteuer, auf das man sich schon freuen darf!

Aber jetzt wünsche ich euch erst mal viel Spaß, Spannung und Vergnügen mit dem ersten Band!
Vielleicht wagt ihr ja auch mal wieder eine Entdeckungsreise in das LiteraturHaus? Dort warten dieses und viele weitere Bücher auf euch!

Eure Julia Malek

Bildquelle: Coppenrath Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 19 vom 15.09.2017

„Tödlicher Mittsommer“ von Viveca Sten (Thomas Andreassons erster Fall)

Während bei uns inzwischen eindeutig Herbst ist, spielt dieser Krimi in einem sehr heißen Juli in Stockholm und den angrenzenden Schärengärten.
Thomas Andreasson freut sich wie etliche seiner Kollegen schon auf den Sommerurlaub, den er im Schärengarten verbringen möchte. Vor dem Umzug auf das Festland war er als Wasserschutzpolizist tätig und konnte so viel Zeit auf Booten und dem Meer verbringen. Da Familienzuwachs unterwegs war, haben er und seine Frau sich allerdings für ein Leben in Stockholm entschieden, weshalb er sich in die Polizeidienststelle Nacka versetzen ließ. Allerdings vermisst er die Atmosphäre auf dem Wasser und ist froh, ein Haus auf der Insel Harö behalten zu haben. Dies hilft ihm insbesondere seit dem Tod der kleinen Tochter und der Trennung von seiner Frau.
Während also nun alle auf den Urlaub warten, wird auf der Insel Sandhamn eine männliche Leiche angeschwemmt. War es ein Unfall? Selbstmord? Mord? Man kann es nicht genau sagen. Als allerdings eine gute Woche später eine ermordete Frau auf der Insel aufgefunden wird, erscheint auch der erste Fall in einem anderen Licht.
Thomas Andreasson stürzt sich in die Ermittlungen, auch wenn es so gut wie keine Anhaltspunkte gibt. Er hat schon als Jugendlicher viel Zeit auf der Insel verbracht und kennt die Gegend dort in- und auswendig. Doch die Presse und ausbleibende Besucher auf der Ferieninsel setzen die Polizei unter Druck. Die Fälle müssen gelöst werden, bevor es möglicherweise weitere Leichen gibt und die Inselidylle noch mehr leidet. Hilfe bekommt er von seiner Jugendfreundin Nora, die die Ferien mit ihrer Familie auf Sandhamn verbringt und gerade selbst einige Probleme zu lösen hat.

Viveca Sten schreibt keine blutigen, brutalen oder grausamen Krimis. Dieses Buch ist auch kein Psychothriller, aber trotzdem sehr, sehr spannend geschrieben.
Mir hat die Mischung aus Krimi und „Familienroman“ gefallen. Es geht nicht allein um die Aufklärung des Falls, auch die handelnden Personen und Familien werden beschrieben und stehen im Mittelpunkt. So spielen beispielsweise sowohl das Privatleben des Ermittlers als auch die Familiengeschichte von Nora Linde eine große Rolle. Und das alles eingebettet in eine offenbar wunderschöne Landschaft, den Stockholmer Schärengarten. Man bekommt beim Lesen selbst Lust darauf, dort zu sein, durch Stockholm zu gehen, mit dem Boot in den Schärengarten zu fahren, in einem kleinen Ferienhäuschen auf einer der Inseln zu wohnen…
Und ganz nebenbei betätigt man sich als Ermittler. Denn unweigerlich macht man sich selbst Gedanken, was passiert sein könnte und welche Zusammenhänge wo bestehen und versucht den Fall zu lösen.

Ich gestehe, „Tödlicher Mittsommer“ ist kein Kriminalroman, der gerade erst erschienen ist, aber da ältere Bücher nicht schlecht werden, bedarf es vermutlich keiner Rechtfertigung, weshalb ich diesen Roman für meinen heutigen Buchtipp ausgewählt habe. Wenn dem allerdings doch so sein sollte, empfehle ich Ihnen, dieses Buch zu lesen, danach dürften im Idealfall alle Zweifel ausgeräumt sein. 🙂 In diesem Jahr ist übrigens Band 8 der Reihe erschienen, was also durchaus für die Beliebtheit und den Erfolg der Serie spricht.

Achtung Suchtgefahr! Aber keine negative Sucht. 😉 Möchten auch Sie sich infizieren lassen und in den Sog der „Thomas Andreasson“-Krimis geraten? Dann kommen Sie gerne ins LiteraturHaus – wir freuen uns auf Sie!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Kiepenheuer & Witsch

Julia Maleks Buchtipp Nr. 20 vom 25.09.2017

„Hochgradig unlogisches Verhalten“ von John Corey Whaley

Solomon Reed, genannt ‚Sol‘, ist eigentlich ein ganz normaler Teenager: er liebt Star Trek, spielt gerne Computer- oder Kartenspiele und verbringt viel Zeit vor diversen Bildschirmen oder mit Büchern. Allerdings gibt es ein entscheidendes Merkmal, das ihn von allen anderen Teenagern unterscheidet: Er hat seit 3 Jahren das Haus nicht mehr verlassen!
Panikattacken, die immer häufiger aufgetreten sind, haben dafür gesorgt, dass Sol irgendwann die Reißleine gezogen und beschlossen hat, nie wieder aus dem Haus zu gehen, da er zu Hause sicher ist. Der letzte Tag an seiner alten Schule endete damit, dass er sich vor den Augen aller Schüler in einen Brunnen gesetzt hat, um so eine Panikattacke zu überstehen. Zuhause geht es ihm gut, zwar überfallen ihn auch dort ab und an die Attacken, wenn er sich bestimmte Situationen vorstellt, aber ansonsten fühlt er sich pudelwohl. Er kann die Schule online weiter verfolgen und hat durch seine Eltern, eine Zahnärztin und einen Bühnenbildner und seine Großmutter Kontakt zur Außenwelt. Nur das Schwimmen vermisst er, weshalb er mit dem Gedanken spielt, sich einen Swimmingpool zu wünschen. Ein Swimmingpool würde allerdings auch bedeuten, dass er nach draußen in den Garten gehen müsste, um ihn tatsächlich zu nutzen. Ist das vorstellbar? Würde er seine Eltern nicht fürchterlich enttäuschen, wenn es doch misslingen würde?
Sein Leben wird auf den Kopf gestellt, als eines Tages ein Brief seiner ehemaligen Mitschülerin Lisa ins Haus flattert. Er kennt Lisa zwar nicht, aber Lisa kann sich genau an die damalige Situation erinnern und hat sie nie vergessen. Nach der Schule würde sie gerne Psychologie studieren und benötigt dafür ein Stipendium, für das man einen Aufsatz über seine Erfahrung mit dem Thema „Psychologie“ schreiben muss. Lisa hat sich vorgenommen, sich mit Sol anzufreunden und ihn zu therapieren, um ihn für ihren Aufsatz zu verwenden, wovon Sol natürlich niemals erfahren darf. Auch ihr Freund Clark ist davon alles andere als begeistert, vor allen Dingen nicht, als sich tatsächlich eine Freundschaft zwischen den dreien entwickelt.
Wie weit werden sie kommen? Wird Sol einen Anreiz finden, das Haus wieder zu verlassen? Bleiben Geheimnisse wirklich unentdeckt?

„Hochgradig unlogisches Verhalten“ ist ein nachdenklich stimmender, aber dennoch auch witziger Roman, der mit Hauptfiguren aufwartet, mit denen man sich bis zu bestimmten Graden sehr gut identifizieren kann. Aber auch das, was man selbst nicht unbedingt nachvollziehen kann, wird so stimmig beschrieben, dass es doch wieder logisch erscheint.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und wäre den Personen auch nach Ende der letzten Seite gerne noch gefolgt, um zu sehen, wie sich alles weiter entwickelt.
John Corey Whaley beschäftigt sich mit einer Thematik, die so nicht häufig in Jugendbüchern auftaucht und wählt dabei eine Schreibweise, die den Roman nicht unnötig schwer macht, sondern für gute Unterhaltung sorgt, ohne das Ernste aus den Augen zu verlieren. Es geht in diesem Buch nicht nur um „Panikattacken“, sondern auch darum, was das Leben und die Welt lebenswert macht und was Freundschaft, Heimat und Familie bedeuten.

Ich wünsche allen Jugendlichen und interessierten Erwachsenen viel Vergnügen mit „Hochgradig unlogisches Verhalten“, das im Hanser Verlag erschienen ist!

Eure Julia Malek

Bildquelle: Hanser Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 21 vom 02.10.2017

„Ein Mensch brennt“ von Nicol Ljubić

Der 10-jährige Hanno Kelsterberg führt ein glückliches Leben mit seinen Eltern in den 70er Jahren in Schwaben. Er liebt es, Fussballbildchen zu sammeln und mit seinem Vater Fussballspiele zu besuchen oder Spritztouren mit dessen Citroen zu unternehmen. Fussball ist Hannos Leben.
Als die Familie Kelsterberg die kleine Wohnung im Untergeschoss an Hartmut Gründler vermietet, ändert sich das Familienleben allerdings. Während Hartmut Gründler in den Augen von Hannos Vater schlichtweg ein Spinner ist, der seine Zeit mit dem Schreiben von Briefen an Helmut Schmidt, Handzetteln, Demos und anderen Dingen vergeudet, lässt sich die Mutter von dem Politikkämpfer, dem insbesondere Atomkraftwerke ein Dorn im Auge sind und der für den Kampf gegen sie brennt, schnell auf seine Seite ziehen. Nach und nach werden nicht nur die Essgewohnheiten umgestellt und Hartmut auf Demos unterstützt, nein, Frau Kelsterberg beginnt ihr Leben komplett Hartmut Gründler zu verschreiben. Sie wird eine Anhängerin seiner Ideale und seines Fanatismus.
Auch Hanno findet sich deshalb schnell in diesen Kreisen wieder und muss sie zu Demos begleiten, anstatt mit seinem Vater auf den Fussballplatz zu gehen. Die Ehe der Eltern scheitert an Hartmut und an der Verwandlung, die Frau Kelsterberg langsam durchläuft; die gesamte Familie zerbricht.
Selbst nach Hartmut Gründlers Tod – Selbstverbrennung, um ein Zeichen gegen Atomkraft zu setzen – hält Hannos Mutter den Kampf aufrecht, den Hartmut begonnen hat und sieht mit der Katastrophe von Fukushima bestätigt, wovor Hartmut zeitlebens gewarnt hat. Ihr größter Wunsch war es, ein Denkmal für Hartmut zu setzen und von einem Journalisten ein Buch über sein Leben schreiben zu lassen. Nachdem dieser ablehnt, ist es an Hanno, der Aufgabe nachzukommen. Als Unterlagen dienen ihm dazu unzählige Ordner mit jedem noch so kleinsten Materialfitzelchen, das seine Mutter gesammelt hat.
Für Hanno ist es eine Möglichkeit, sich mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen und das Erlebte zu verarbeiten, auch wenn er nicht weiß, ob er dem Wunsch der Mutter tatsächlich gerecht werden kann.

Nicol Ljubić beschäftigt sich in seinem Roman „Ein Mensch brennt“ mit dem Aktivisten Hartmut Gründler, der tatsächlich gelebt und 1977 aus Protest gegen die Atompolitik den Tod durch Selbstvebrennung gesucht hat. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Hannos und der Familie Kelsterberg, die zwar frei erfunden ist, aber eine große Bedeutung für dieses Buch hat.
Ljubić befasst sich mit Zeitgeschichte und versteht es, sie fesselnd und spannend zu erzählen. Dabei kann er sich in jede der Personen hineinversetzen. Egal ob Hanno als Junge oder als Erwachsener Mann von seinen Erlebnissen berichtet, der Ton ist stimmig und gibt dem Leser das Gefühl, selbst dabei zu sein.
Atomkraft, Proteste, Demos, angestrebte Ideale – seien sie positiver oder negativer Natur – , Fanatismus – das alles sind Begriffe, die neben dem Terror durch die RAF in den 70ern eine Rolle gespielt haben, aber auch in unserer heutigen Zeit aktuell sind und die Menschheit spalten.

Ich wünsche Nicol Ljubić und seinem Roman „Ein Mensch brennt“ viele Leser! Das Thema des Buches ist interessant, der Autor ein toller Erzähler, der Roman absolut gelungen! Was will man mehr? – Das Buch in den Händen halten und loslegen – und dabei wollen wir Ihnen natürlich nicht im Wege stehen. Bei uns im LiteraturHaus wartet das Buch schon auf Sie und ich wünsche Ihnen eine spannende Zeitreise!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: dtv Verlagsgesellschaft

Julia Maleks Buchtipp Nr. 22 vom 09.10.2017

„Palast der Finsternis“ von Stefan Bachmann

Anouk, Lilly, Jules, Will und Hayden sind 5 Teenager, die aus verschiedenen Städten der USA stammen und völlig unterschiedliche Geschichten, Interessen und Begabungen haben. Allerdings eint sie die Teilnahme an einem Forschungsprojekt, für das sie sich beworben haben und etliche Stationen durchlaufen mussten, um angenommen zu werden.
Ihr Ziel ist ein Schloss in Frankreich, unter dessen Erdoberfläche sich ein geheimer Palast erstrecken soll, der vor der französischen Revolution erbaut und den Besitzern, der Familie Bessancourt, 1789 als Schutz gedient haben muss. Nach der vermeintlichen Flucht der ursprünglichen Bewohner nach England ist das Wissen über den unterirdischen Palast verloren gegangen. Erst die neuen Besitzer, die reiche Unternehmerfamilie Sapani, haben entdeckt, dass sich etwas unter ihrem Schloss verbirgt und eine Forschertruppe mit der Entdeckung beauftragt. Miss Sei, eine Angestellte der Sapanis und Professor Dorf haben die Jugendlichen angeworben, um eine Expedition in den Untergrund zu beginnen und den Palast archäologisch zu erkunden.
Bereits die Anreise verläuft außergewöhnlich, doch nach der Ankunft wird es noch mysteriöser. Als sich die Jugendlichen im unterirdischen Palast wiederfinden, beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod und sie wissen nicht, wer ihre Feinde sind und was im Palast auf sie lauert. Völlig klar ist jedoch, dass es keinesfalls um eine Expedition und die Entdeckung eines verschütteten Palastes gehen kann!
Während einige Räume mit versteckten Fallen ausgestattet sind, scheinen andere problemlos passierbar zu sein. Doch wo ist der Ausgang? Weshalb sind sie hier? Und wem können sie trauen?

„Palast der Finsternis“ ist ein sogenannter „All Age“-Roman, also ein Roman, der für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen gedacht ist, wobei ich den Roman erst ab 16 Jahren empfehlen würde.
Von dem 24jährigen Stefan Bachmann sind bereits 2 Fantasyromane im Diogenes Verlag erschienen und sein aktueller Roman beweist, dass er ein Talent dafür hat, spannende und mitreißende Bücher zu schreiben.
Einerseits spielt „Palast der Finsternis“ in der jetzigen Zeit und wird aus der Sicht Anouks erzählt. Doch immer wieder wird die Handlung von kurzen Schilderungen aus den 1770er Jahren unterbrochen, in denen Amélie Bessancourt zu Wort kommt, die älteste Tochter, die mit ihrer Familie zunächst im Schloss und dann im unterirdischen Palast gewohnt hat. Dort scheint auch bereits der Ursprung des Grauens zu liegen.
Der Roman entwickelt einen unheimlichen Sog, der es schwer macht, das Buch wieder aus der Hand zu legen, da man mit den Beteiligten mitfiebert und das Gefühl entwickelt, mit ihnen im Palast zu sein. Man kann sich kaum vorstellen, wie es sich anfühlen muss, in der Haut eines der Jugendlichen zu stecken und „frisst“ sich nahezu durch das Buch, um zu erfahren, wie es ausgeht. Zwischendurch stellt man sich natürlich ebenfalls genau die Fragen, die sich auch die Hauptpersonen stellen, aber erst die nächste Seite mag möglicherweise eine Antwort bereithalten. Nach der allerletzten Seite klappt man das Buch atemlos zu und kann die Geschehnisse Revue passieren lassen. Eine unglaubliche Geschichte…

Möchten auch Sie sich auf eine Expedition in den Palast begeben? Wagen Sie das Abenteuer?

Ich wünsche Ihnen gute Nerven und eine spannende Unterhaltung!

Ihre und Eure Julia Malek

Bildquelle: Diogenes Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 23 vom 16.10.2017

„Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky

Nachdem das vergangene Wochenende ganz im Zeichen der Einbecker „Eule“ stand, widmen wir uns nun einem anderen Tier, nämlich einem Okapi.
Wann immer der alleinstehenden Selma ein Okapi im Traum erscheint, geht die Angst in ihrem Wohnort, einem kleinen Dorf im Westerwald, um. Dieser Traum hat bisher nämlich leider immer bedeutet, dass innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand aus dem Dorf sterben wird. Da man nicht weiß, wen das Schicksal als nächstes treffen wird, folgen 24 Stunden voller Vorsicht, Bangen und ängstlichen Geständnissen, denn jeder möchte natürlich sein Gewissen vor einem möglichen Tod erleichtern. Es ist die Zeit für Entschuldigungen, Geheimnisse zu lüften, Dinge zu gestehen und Ähnliches. Wer den Weg per Post wählt, kann am nächsten Tag, wenn man verschont wurde, noch den Postboten abfangen und dafür sorgen, dass voreilig Verfasstes doch nicht ans Licht kommt.
So glaubt beispielsweise der Optiker des Ortes, dass seine Liebe und seine Gefühle für Selma völlig unbekannt sind, doch abgesehen von Selma wissen alle davon.
Nachdem Selma in ihrem Traum nun wieder ein Okapi erscheint, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Trotzdem ermahnt Selma ihre Enkelin Luise und deren besten Freund Martin, Ruhe zu bewahren und den Tag ganz normal wie jeden anderen auch zu verbringen, allem voran mit dem Besuch der Schule.
24 Stunden vergehen und niemand stirbt. Ist der mögliche Fluch vorüber? Während sich alle wieder entspannen und vorsichtig durchatmen, kommt es doch noch zu einem großen Unglück.
Jahre später geht das Leben im Westerwald seinen gewohnten Gang. Luise arbeitet inzwischen in einer Buchhandlung, als ihr bei der Suche nach einem entlaufenen Hund ein buddhistischer Mönch aus einem japanischen Kloster begegnet, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Kann eine Liebe zu einem Mönch, der noch dazu tausende Kilometer entfernt ist, ihre Erfüllung finden?

„Was man von hier aus sehen kann“ ist ein ruhiger, bemerkenswerter Roman. Mariana Leky beschreibt die handelnden Personen sehr detailliert und stellt die Charaktere der Dorfbewohner mit ihren teils schrulligen und skurrilen Eigenschaften wunderbar dar. Man kann die Ängste und Sorgen nach Okapi-Träumen richtig spüren und nachvollziehen, aber auch die anderen Emotionen und Geschehnisse werden so geschildert, dass man sich als Teil der Geschichte fühlt.
Mariana Leky erzählt von einem Dorf, der großen weiten Welt und der Liebe!
Wer Lust auf ein toll geschriebenes, kluges, amüsantes, tiefergehendes Buch hat, sollte hier gerne zugreifen!

Ich wünsche Ihnen schöne Lesestunden und angenehme Träume.

Ihre Julia Malek

Bildquelle: DUMONT Buchverlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 24 vom 23.10.2017

„Keine Angst vor Stinktieren“ von Elana K. Arnold

Bat liebt Tiere über alles. Seine Mutter ist Tierärztin und leitet eine eigene Praxis und Bat kann sich kaum etwas schöneres vorstellen, als die Nachmittage nach der Schule in der Praxis zu verbringen und den Pflegern bei der Arbeit mit den Tieren zu helfen. Leider ist das nicht jeden Nachmittag möglich. Manchmal muss er die Zeit auch mit seiner Schwester alleine zu Hause verbringen, was für ihn nicht immer ein Vergnügen ist. In die Schule geht Bat ganz gerne, da er einen tollen Lehrer hat und auch seine Klasse mag. Es gibt dort beispielsweise ein eigenes „Klassenkaninchen“, das man auch während des Unterrichts besuchen darf, wenn man das Gefühl hat, mal eine kurze Auszeit zu brauchen. Bei Bat kommt das häufiger vor. Er hat Eigenarten, die anderen vielleicht etwas seltsam erscheinen mögen, so trägt er beispielsweise Ohrenwärmer, sobald es ihm zu laut wird, aber Bat fühlt sich völlig normal und wird auch von seinen Mitschülern so akzeptiert, wie er ist. Gleichaltrige Freunde hat Bat noch nicht gefunden, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Als Bats Mutter eines Tages ein Stinktierbaby mit nach Hause bringt, verliebt sich Bat Hals über Kopf in das kleine Kerlchen und kümmert sich in jeder freien Minute um ihn. Zwar soll das Tier in ein paar Wochen in eine Auswilderungsstation gegeben werden, aber wenn Bat beweist, das er der weltbeste Stinktierpfleger ist, wird seine Mutter doch bestimmt ein Auge zudrücken und ihm erlauben, das Tier zu behalten, oder? Hilfe erhofft sich Bat von dem renommiertesten Stinktierexperten überhaupt, Dr. Jerry Dragoo. Wird es ihm gelingen, seine Mutter zu überzeugen?

„Keine Angst vor Stinktieren“ ist ein Buch für Jungen und Mädchen ab 8 Jahren.
Frei von Fantasyelementen erzählt es die Geschichte eines Jungen, der vielleicht etwas anders ist als andere Kinder, aber seinen eigenen Weg gefunden hat, um damit umzugehen. Bat ist eine Figur, die Kinder mögen werden und der schnell ans Herz wächst. Wenn in Büchern Tiere eine Rolle spielen, sind es meist Katzen, Hunde, Pferde oder auch mal ein Meerschweinchen. Stinktiere kommen eher selten vor, doch man kann gut verstehen, weshalb Bat so schnell von dem kleinen Tierbaby eingenommen ist und es am liebsten nie mehr hergeben möchte.

Übrigens, auch in einem anderen Kinderbuch spielt ein Stinktier eine große Rolle und zwar in „Flätscher“ von Antje Szillat, das ich hier schon vor ein paar Wochen vorgestellt habe. Am 3. November wird Antje Szillat im Einbecker LiteraturHaus zu Gast sein und um 16.00 Uhr aus ihren Büchern lesen. Karten sind zum Preis von 5 € bei uns erhältlich. Wir freuen uns schon darauf!
Und bis dahin empfehle ich euch, „Keine Angst vor Stinktieren“ zu lesen. Witzig, spannend, ungewöhnlich und einfach nur gut!
Ihr könnt eure Eltern aber beruhigen: Das Buch stinkt auch garantiert nicht! 🙂

Eure Julia Malek

Bildquelle: Carlsen Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 25 vom 30.10.2017

„Ein Baum wächst in Brooklyn“ von Betty Smith

Als ich das Cover von „Ein Baum wächst in Brooklyn“ in einer Vorschau gesehen habe, wurde ich sofort neugierig auf das Buch. Es ist mir ins Auge gefallen und hat mich direkt angesprochen. Die stimmige Farbkomposition, die Andeutung eines Baumes, Blätter, die sich losgelöst haben… Es lässt sich einiges hineindeuten.
Ein Blick auf die kurze Inhaltsbeschreibung hat mich vollends überzeugt, ich muss dieses Buch lesen. Was soll ich Ihnen sagen? Ich habe es nicht bereut!
Im Oktober ist das Buch der 1972 verstorbenen Autorin in einer Neuauflage erschienen, nachdem es zum ersten Mal 1943 auf den Markt gekommen ist, 1944 für den Pulitzerpreis nominiert wurde und seitdem offenbar weltweit Leser und Leserinnen immer wieder aufs Neue verzaubert hat. Und das zu Recht!

Der Roman spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in Brooklyn. Die elfjährige Francie Nolan wächst in einer ärmlichen Familie auf. Ihre Mutter arbeitet als Hausmeisterin in ihrem Mietblock, der Vater verdient gelegentlich etwas als singender Aushilfskellner dazu. Die Samstage sind für Francie so etwas wie Feiertage, nur das auf den Straßen gute Stimmung herrscht und die Geschäfte geöffnet sind. Es sind die Tage, an denen sie, wie so viele Nachbarskinder auch, gemeinsam mit ihrem Bruder den unter der Woche gesammelten Trödel versetzen und sich dafür Kleinigkeiten kaufen kann.
Francie liebt es, Bücher zu lesen und ihr großer Traum ist es, einmal Schriftstellerin zu werden. Ihr Lieblingsleseplatz befindet sich auf der Feuertreppe vor ihrer Wohnung. Dort wird sie von einem Baum versteckt, der es geschafft hat, sich unter den widrigsten Umständen in den Mietskasernen durchzusetzen und dem Licht der Sonne entgegenzuwachsen.
Ähnlich wie dieser Baum ist auch Francie, auch sie hat einen Lebenswillen in sich, der nach Größerem strebt.

Betty Smith erzählt die Geschichte von Francie, ihrer Familie und deren Vorfahren auf etwas mehr als 600 Seiten. Dabei beschreibt sie die Atmosphäre, die in Williamsburg Anfang des 20. Jahrhunderts herrscht so deutlich und genau, dass man als Leser das Gefühl bekommt, selbst dabei zu sein. Die einzelnen Schicksale, die Armut, Ängste, Hoffnungen und Träume der Eindwandererfamilien – all das findet seinen Platz. Ich wurde als Leserin davon gefangen genommen und habe gerne nach dem Buch gegriffen, um weiter zu lesen. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Für uns sind einige Dinge heute nur noch schwer vorstellbar, die damals an der Tagesordnung waren und vermutlich leider auch noch in einigen Ländern aktuell sind, aber umso interessanter und beeindruckender ist es, dieses Buch zu lesen, noch dazu wenn man bedenkt, dass Betty Smith selbst 1896 geboren und als Tochter deutscher Immigranten in armen Verhältnissen in Brooklyn aufgewachsen ist.
„Ein Baum wächst in Brooklyn“ ist allerdings nicht nur vom Inhalt her beachtlich, sondern auch von der Sprache. Der Roman ist wunderbar geschrieben, die Atmosphäre und die einzelnen Charaktere werden genau herausgearbeitet und fein gezeichnet.

Dieses Buch gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern und ich wünsche ihm, dass der Erfolg, der 1943 mit dem erstmaligen Erscheinen begann, auch noch lange andauern wird, und viele neue Leserinnen und Leser das Buch entdecken. Vielleicht zählen ja auch Sie sich bald dazu?!
Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei uns im LiteraturHaus!

Ihre Julia Malek

Bildquelle: Insel Verlag

Julia Maleks Buchtipp Nr. 26 vom 07.11.2017

Bilderbuchhelden:

„Das große Buch der kleinen Hexe“ von Lieve Baeten
„Das große Buch vom Kleinen Eisbären“ von Hans de Beer

Heute habe ich mich für 2 Bilderbuchschätze entschieden, die in keinem Kinderzimmer fehlen sollten und deren Hauptfiguren schon seit Jahren in den Buchhandlungen zu finden sind. Auch ich bin bereits mit ihnen aufgewachsen und erinnere mich gerne an die kleine Hexe oder an Lars den Eisbären, der die Kinderherzen auch in animierter Form, in der „Sendung mit der Maus“, erobert hat.

Den 25. Geburtstag von Lieve Baetens kleiner Hexe feiert der Oetinger Verlag nun mit einem Sammelband für 19,99 €, der die 5 beliebten Bilderbücher vereint:

Die neugierige kleine Hexe
Die kleine Hexe hat Geburtstag
Die kleine Hexe geht auf Reisen
Die schlaue kleine Hexe
Die kleine Hexe feiert Weihnachten

Ausklappposter, Türchen und unterschiedliche Seitengestaltung sorgen für einen wahren Vorlesegenuss und laden dazu ein, die Bilder zu betrachten. Auf jeder Seite gibt es so viel zu entdecken und zu erleben, dass Sie das Buch bestimmt nicht nur einmal Ihren Kindern vorlesen werden. Jede der Geschichten und der Illustrationen hat ihren ganz eigenen Reiz. Treten Sie ein in die Welt der kleinen Hexe, lernen Sie ihre Katze und die vielen anderen Hexen kennen (Sie werden überrascht sein, welche unterschiedlichen Arten von Hexen es gibt!), feiern Sie mit ihr Geburtstag und Weihnachten und unternehmen Sie Ausflüge. Die Illustrationen sind in warmen Farbtönen gestaltet und mit so vielen kleinen Details versehen, dass es eine wahre Freude ist! Wenn Sie einmal keine Zeit zum Vorlesen haben sollten, werden Ihre Kinder bestimmt auch gerne alleine Zeit mit dem Buch verbringen, um die vielen Bilder anzusehen.
„Das große Buch der kleinen Hexe“ ist ein Bilderbuchschatz für Groß und Klein.

Der NordSüd Verlag hat einem weiteren Kinderbuchhelden einen Sammelband gewidmet. Im September sind alle 10 Geschichten von Lars dem kleinen Eisbären für 25 € in ungekürzter Form in einem Band („Das große Buch vom Kleinen Eisbären“) erschienen, die Illustrationen dazu wurden sorgfältig in Zusammenarbeit mit Hans de Beer ausgewählt. Zusätzlich befinden sich in diesem Buch die Entstehungsgeschichte des kleinen Eisbären, Skizzen, Fotos und ein Blick in das Atelier des Illustrators.

Kleiner Eisbär – Wohin fährst du, Lars?
Kleiner Eisbär – Lars, komm bald wieder!
Kleiner Eisbär – Nimm mich mit, Lars!
Kleiner Eisbär – Lars und der Angsthase
Kleiner Eisbär – Kennst du den Weg, Lars?
Kleiner Eisbär – Lass mich nicht allein, Lars!
Kleiner Eisbär – Hilf mir fliegen, Lars
Kleiner Eisbär – Lars rettet die Rentiere
Kleiner Eisbär – Lars in der Walbucht
Kleiner Eisbär – Lars, bring uns nach Hause!

„Das große Buch vom Kleinen Eisbären“ enthält etwas mehr Text und längere Geschichten als „Das große Buch der kleinen Hexe“ und ist somit für Kinder gedacht, die sich schon über einen größeren Zeitraum konzentrieren können. Jede Doppelseite besteht aus einer Bild- und einer Textseite, wobei auch manche Textseiten noch kleine Illustrationen enthalten.
Ich persönlich mag Lars den Eisbären schon lange und finde, dass die Illustrationen von Hans de Beer bereits für sich sprechen. Die Farben sind etwas kräftiger und die Bilder sind einfach toll. Ich kann mir nicht helfen, aber der kleine Eisbär ist einfach zu süß.
Lars erlebt die verschiedensten Abenteuer, besucht meist unfreiwillig andere Länder und Orte, findet neue Freunde und ist aber immer der Meinung, dass es zu Hause am schönsten ist.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern ganz viel Freude und vergnügliche, kuschelige Stunden mit diesen beiden Sammelbänden!
Man muss übrigens nicht zwingend ein Kind sein oder Kinder haben, um in die Geschichten der kleinen Hexe und des kleinen Eisbären einzutauchen…

Ihre und Eure Julia Malek

Bildquellen: Oetinger Verlag , NordSüd Verlag

Kulturelle Veranstaltungen im Einbecker Literatur Haus

In unserer Veranstaltungsreihe „Literatur & Wein“ laden wir Sie zu besonderen Literatur- und Kulturgenüssen ins Einbecker Literatur Haus ein. Freuen Sie sich auf interessante und anregende Lesungen und Vorträge!

Blick voraus

GUNTRAM VESPER

Mittwoch, 25.10.2017 um 19.00 Uhr
Da Herr Vesper erkrankt ist, fällt die Veranstaltung leider aus.
Sobald ein Ersatztermin feststeht, geben wir ihn bekannt.

„Nördlich der Liebe und südlich des Hasses“

IRMELA VON DER LÜHE

Mittwoch, 22.11.2017 um 19.00 Uhr

„Von der Wahrheit der Dichtung: Thomas Manns Goethe-Roman ‚Lotte in Weimar‘ “

DENIS SCHECK

Donnerstag, 07.12.2017 um 19.00 Uhr

„Vom Schönen, Guten, Wahren – und vom Albernen, Überflüssigen und Banalen“

Blick zurück

18.01.2017:
NEUE GÖTTINGER GRUPPE

Am 18.01.2017 war die
NEUE GÖTTINGER GRUPPE
mit einer satirischen Lesung ihres Buchs zu Gast im Einbecker Literatur Haus

15.02.2017:
HUBERTUS MEYER-BURCKHARDT

Am 15.02.2017 war
HUBERTUS MEYER-BURCKHARDT
mit einer Vorlesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

08.03.2017:
MARIO GIORDANO

Am 08.03.2017 war
MARIO GIORDANO
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

29.03.2017
BENEDICT WELLS

Am 29.03.2016 war
BENEDICT WELLS
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

19.04.2017
HANNS-JOSEF ORTHEIL

Am 19.04.2017 war
HANNS-JOSEF ORTHEIL
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

10.05.2017
SKY DU MONT

Am 10.05. 2017 war
SKY DU MONT
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

23.05.2017
BETTINA TIETJEN

Am 23.05.2017 war
BETTINA TIETJEN
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

14.06.2017
GISA PAULY

Am 14.06.2017 war
GISA PAULY
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

27.09.2017
CHRISTIAN SCHÄRF


Am 27.09.2017 war
CHRISTIAN SCHÄRF
mit einer Lesung zu Gast im Einbecker Literatur Haus

03.11.2017
ANTJE SZILLAT


Am 03.11.2017 war
ANTJE SZILLAT
mit einer Kinderbuchlesung zu Gast im Einbecker LiteraturHaus

27.01.2016:
ULLA MEINECKE

Am 27.01.2016 war
ULLA MEINECKE
mit einer Lesung ihres Buchs
„Ungerecht wie die Liebe“ zu Gast im Einbecker Literatur Haus

10.02.2016:
DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN

Am 10.02.2016 war
DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN
mit einem medizinischem Kabarett
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

02.03.2016:
DR. SIGRID DAMM

Am 02.03.2016 war
DR. SIGRID DAMM
mit einer Lesung aus Ihrem Buch „Sommerregen der Liebe“
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

20.04.2016
URSULA MÄRZ

Am 20.04.2016 war
URSULA MÄRZ
mit einer Lesung aus Ihrem Buch „Fast schon kriminell“
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

24.06.2016
PURPLE SCHULZ

Am 24.06.2016 war
PURPLE SCHULZ
mit einer Musikalische Lesung
im Einbecker LiteraturHaus

13.07.2016
ELEONORE DEHNERDT

Am 13.07.2016 war
ELEONORE DEHNERDT
mit Lesung „Katharina von Bora“
im Einbecker LiteraturHaus

19.08.2016
GUNTHER EMMERLICH

Am 19.08.2016 war
GUNTHER EMMERLICH
mit einer musikalischen Lesung
im Einbecker LiteraturHaus

07.09.2016
JOHN VON DÜFFEL

Am 07.09.2016 war
JOHN VON DÜFFEL
mit einer Lesung
im Einbecker LiteraturHaus

28.10.2016
ALIX DUDEL UND SEBASTIAN ALBERT

Am 28.10.2016 waren
ALIX DUDEL UND SEBASTIAN ALBERT
mit „Ein Brecht-Abend“
im Einbecker LiteraturHaus

25.03.2015
SUSANNE MISCHKE

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAAm 25.03.2015 war Autorin
SUSANNE MISCHKE
mit einer Krimi-Lesung

zu Gast im Einbecker Literatur Haus

15.04.2015:
DR. CORNELIUS HUBER

Am 15.04.2015 war
DR. CORNELIUS HUBER
mit einem Vortrag “Urzeit-Abenteuer in Venezuela” zu Gast im Einbecker Literatur Haus

27.05.2015:
ALIX DUDEL

Am 27.05.2015 waren
ALIX DUDEL
& SEBASTIAN ALBERT (GITARRE)

zu einem Abend mit Lyrik von Mascha Kaléko im Einbecker Literatur Haus

08.07.2015:
BENEDICT WELLS

Am 08.07.2015 war
BENEDICT WELLS
zu mehreren Lesungen im Einbecker Literatur Haus

11.07.2015:
GERHARD SCHÖNE

Am 11.07.2015 war
GERHARD SCHÖNE
mit einem Konzert für kleine und große Menschenkinder
im Einbecker Literatur Haus

22.08.2015:
HEINZ RUDOLF KUNZE

Am 22.08.2015 war
HEINZ RUDOLF KUNZE
mit einer Lesung seines Buchs
“Manteuffels Murmeln” in Begleitung des Gitarristen Jan Drees
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

23.09.2015:
NINO HARATISCHWILI

Am 23.09.2015 war
NINO HARATISCHWILI
mit einer Lesung
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

01.10.2015 :
ANNEMARIE STOLTENBERG

Am 01.10.2015 war
ANNEMARIE STOLTENBERG
mit einer Büchervorstellung und Lesung
zu Gast im Einbecker Literatur Haus

25.11.2015:
SIBYLLE DORDEL

Am 25.11.2015 war
SIBYLLE DORDEL
mit der Cellistin Ellen Kienhorst
„Brief einer Unbekannten“ (Stefan Zweig)
im Einbecker LiteraturHaus

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